Reformansätze von Jung und Alt

19. September 2007, 13:46
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Die Ökologin Christiana Hageneder und der Wohnbau-Veteran Josef Klemen gehen etwas andere Wege

Wie denken eine jüngere Frau und ein älterer Mann über die Zukunft der Wohnbauförderung? Nicht so anders, betonten Christiana Hageneder, Expertin für Bauen, Energie und Innovation der Ögut, und Josef Klemen, der ehemalige Obmann der Genossenschaft Neues Leben, die auf dem Wohnsymposium die "Positionen der Generationen" vertraten. Dennoch setzten sie in ihren Aussagen andere Akzente, die die auch das Alter widerspiegelten.

Für Hageneder ist der ursprüngliche Grund der Wohnbauförderung, die Wohnraumbeschaffung, ein Anachronismus. Dafür sieht sie im Klimaschutz neue Aufgaben für dieses Instrument, das allerdings allein wenig zur Senkung der Treibhausgase im Wohnbau beitragen kann.

"Bauordnung schläft"

Denn wenn die ökologischen Auflagen beim Wohnbau zu streng werden, dann "gibt es die Tendenz im Eigenheimbereich, auf die Wohnbauförderung zu pfeifen und stattdessen mit Pfuschern ein billiges Haus zu bauen", warnt Hageneder. Gefordert wäre stattdessen die Bauordnung, wo deutlich striktere Standards festgelegt werden sollten. Doch "die Bauordnung schläft", kritisiert die Ökologin das Regelwerk in den Ländern. Die Beschleunigung der Sanierung sei daher ausschließlich eine Frage des politischen Willens.

Bei der Wohnbauförderung wiederum sollte der Bund neben den thermischen Werten auch Verkehrs- und Raumplanungskriterien aufnehmen. "Neben dem Passivhaus könnte auch die Verdichtung das Ziel sein, das erhält genauso die energetische Qualität", sagt Hageneder. "Man könnte hier geschickter agieren."

Klemen sieht bei der thermischen Sanierung das Problem, dass sich gerade für ältere Eigenheimbesitzer die Ausgaben nicht lohnen. "Wir könnten diesen Menschen einen Deal anbieten: Wir übernehmen die Sanierung, wenn du dich gesellschaftlich engagierst", schlägt der Veteran der Wohnungswirtschaft vor. Auch eine Forcierung der Wohnbauforschung könnte neue Lösungen aufzeigen.

Eine andere Zielrichtung sollte die Schaffung von Strukturen sein, die es den Älteren ermöglicht, im eigenen Heim zu bleiben statt ins Pflegeheim zu übersiedeln. Klemen denkt dabei an ein Informationssystem, über das Organisationen wie die Caritas oder die Volkshilfe rasch informiert werden, wenn jemand Hilfe braucht. Solche Strukturen "kosten fürs Erste nicht viel Geld, sondern nur guten Willen", glaubt Klemen und denkt hier vor allem an die Hausverwaltungen. Diese "sollen sich nicht nur für die Häuser verantwortliche fühlen, sondern auch für die Menschen." (ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.9.2007)

  • Christiana Hageneder fordert striktere Klima-Auflagen.
    foto: standard/newald

    Christiana Hageneder fordert striktere Klima-Auflagen.

  • Josef Klemen will das Leben der Älteren erleichtern.
    foto: standard/newald

    Josef Klemen will das Leben der Älteren erleichtern.

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