Die Daniel Düsentriebs von morgen

18. September 2007, 21:12
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In Valencia trifft sich gerade Europas Wissenschafter- und Erfindernachwuchs, um seine Projekte zu bewerben

Geht es nach den Preisen, dann muss man sich um unseren in Sachen Technologie nicht allzu viele Sorgen machen: Österreichische Schüler belegten die Plätze zwei und drei.

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Die Aussteller im futuristisch anmutenden Gebäude sind alphabetisch angeordnet. "Austria" präsentiert sich deshalb gleich nach dem Eingang in die riesige "Stadt der Wissenschaft und Künste" des Star-Architekten Santiago Calatrava.

Im Licht durchfluteten Science Center seiner spanischen Heimatstadt Valencia findet gerade der 19. EU Contest for Young Scientists statt. Die Jugend Europas stellt jene Forschungen aus, mit denen sie ihre nationalen Schülerwettbewerbe gewonnen hat. Nun messen sich die Besten der Besten: 120 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren, aus 32 Nationen, mit insgesamt 81 Einreichungen.

Bis zu 3000 Arbeitsstunden stecken in manchen Projekten, die mehrheitlich aus den Natur- und Ingenieurs,- aber auch Sozialwissenschaften kommen. Österreich ist gleich drei Mal vertreten.

EU-Talenteschmiede

Martina Hafner, 19, erklärt gerade einem Jurymitglied die sinnvolle Verwertung von Maisstroh: "Allein in Oberösterreich fallen jährlich 40.000 Tonnen an. Wieso nicht für die Biogaserzeugung nutzen?" fragt die Maturantin der HTL Braunau, jener beinahe schon legendären Talenteschmiede, die europaweit als die Schule mit den meisten Projektpräsentationen gilt: Seit 1993 nahmen insgesamt 13 Teams der HTL am EU Wettbewerb teil.

Ausgestattet mit dem Bewusstsein, in einer Welt der Klimaveränderung zu leben, steht Umweltschutz für Martina Hafner an oberster Stelle: "Ich hoffe, einen Beitrag dazu zu leisten." Der Juror nickt zufrieden.

Was neben der Innovationskraft der Projekte zählt ist die Präsentation. Dann stellt sich oft heraus, dass "manche zwar tolle schriftliche Arbeiten liefern, manche Aspekte aber eigentlich nicht verstanden haben. Deshalb nehmen wir uns Zeit für ausführliche Gespräche", so Juror Peter Csermely von der Semmelweis Uni in Budapest.

Am Nachbarstand hat sich mittlerweile ein Gruppe spanischer Schüler eingefunden. Sie will alles über die Speicherpatrone erfahren, dem Herzstück der Erfindung eines weiteren Teams der HTL Braunau. Geduldig und wohl schon zum x-ten Male erklärt Werner Pollhammer, 17, das Projekt "Latentwärmespeicher". Es soll die Sonnenenergie des Sommers für den Winter nutzen, die Speicherpatrone fungiert dabei als ein "Kristallisationsaktivator": Beim Lösen von Salzen entsteht Energie, die gespeichert wird.

Stunden hatte das dreiköpfige Team damit verbracht, jene Salze zu identifizieren, die sich am besten zur Energiespeicherung eignen. Dann Stunden über der Speicherpatrone gebrütet. Die spanische Truppe blickt ehrfürchtig und zieht von dannen.

Ein Kamerateam hat sich nun bei Österreichs drittem Vertreter eingefunden. Philipp Zagar, 18, aus der HTL Wels, ist wie seine Kollegen Sieger des österreichischen Wettbewerbes Jugend Innovativ, der von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (aws) ausgerichtet wird.

Zagar parliert in bestem Englisch über so genannte Self-Assembled-Monolayer, die von selbst Schichten bilden und in der Nanotechnologie Anwendung finden. Lust auf das Projekt bekam der Schüler im Rahmen eines Ferialjobs am Institut für Biophysik an der Uni Linz. Die vielen Stunden geopferter Freizeit im Labor haben sich gelohnt.

Daneben im Vortragssaal referiert gerade Sven Joda vom Europäischen Patentamt über Patente. Die Schüler sollen für die Frage des "gewerblichen Rechtsschutzes" sensibilisiert werden. "Schließlich handelt es sich hier um zukünftige Erfinder, die später mit Patenten und Lizenzen zu tun haben werden."

Das Niveau der Projekte sei zwar generell höher als beispielsweise letztes Jahr in Stockholm, meint Juror Csermely. Doch würden auch weniger einzelne Projekte hervorstechen - was die Arbeit der Jury damit nicht eben erleichtere.

(Um-)Weltveränderung

Die meisten Teilnehmer scheinen von der Lust getrieben, die direkte (Um-)Welt zumindest ein wenig zu verändern. Sie finden oft eine direkte Anwendung: das Fahrrad des dänischen Teilnehmers, das krebskranken Kindern das Radeln erlaubt - während sie am Tropf hängen. Oder die Autobremsen des isländischen Duos, die bei eisiger Temperatur Sand ausstreuen und das Bremsen auf eisiger Fläche ermöglichen.

Die beiden Schüler waren selbst schon einmal Opfer einer spiegelglatten Fahrbahn geworden. (Erika Müller aus Valencia/DER STANDARD, Printausgabe, 19.9.2007)

  • Imposanter Schauplatz des 19. EU Contest for Young Scientist: die Stadt der Wissenschaft und Künste in Valencia.
    foto: der standard/eu

    Imposanter Schauplatz des 19. EU Contest for Young Scientist: die Stadt der Wissenschaft und Künste in Valencia.

  • Belegten in Valencia Platz 2 und 3: Schüler der HTL Braunau, der österreichischen Talenteschmiede.
    foto: der standard/e. müller

    Belegten in Valencia Platz 2 und 3: Schüler der HTL Braunau, der österreichischen Talenteschmiede.

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