Die Vorreiter im Ökobusiness

25. Oktober 2007, 18:31
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Oberösterreich mausert sich mehr und mehr zu einem Zentrum der Öko-Branche. Zum Teil sind die höchst innovativen Betriebe allerdings nur im Ausland erfolgreich

Linz – Klimawandel, Schreckensszenarien – und gleichzeitig stetig steigender Energieverbrauch und CO2-Ausstoß. Dabei liegen mögliche Alternativen längst auf dem Tisch – wenn nicht in den Schubladen. Bei der Suche nach möglichen Antworten hat sich Oberösterreich schon seit Längerem zu einer der dynamischsten Regionen Österreichs gemausert, wie auch einige aktuelle Projekte zeigen.

  • Der Photovoltaik-Pionier Das Unternehmen Fronius in Sattledt am Voralpenkreuz ist _mit seinen Wechselrichtern für Photovoltaikanlagen – die Gleich- in Wechselstrom umwandeln – längst einer der Weltmarktführer. Auf der Dachlandschaft des heuer eröffneten neuen Betriebsgebäudes zeigt der Betrieb, wie ernst er es meint: Die Solaranlage mit 3600 m² Modulfläche ist eine der größten Sonnenstromanlagen Österreichs. Mit diesem Kraftwerk könnte der Strombedarf von 160 Haushalten abgedeckt werden – tatsächlich liefert es 75 Prozent der Energie, die dieser Industriebetrieb benötigt.

    Erfolgreich ist Fronius allerdings vor allem im Ausland: "Wir haben keinen Heimmarkt", bedauert Klaus Fronius – und so beträgt die Exportquote bei den Wechselrichtern 99 Prozent. Ursache sind in erster Linie die im Vergleich zu Deutschland höchst unattraktiven Einspeisebedingungen für Ökostrom. "In Österreich stehen pro Jahr 17 Millionen Euro für Ökostrom zur Verfügung. Unser Unternehmen investiert weit mehr als 17 Millionen allein in die Forschung", vergleicht Fronius. Was sich bezahlt macht: Das Unternehmen hält 400 aktive Patente – und derzeit wird intensiv an der Entwicklung einer Brennstoffzelle gearbeitet. So könnte künftig der Sonnenstrom in Wasserstoff umgewandelt, gespeichert und später mit der Brennstoffzelle wieder in Energie umgewandelt werden.

  • Die Passivhaus-Schule Die sanierte Hauptschule und das Polytechnikum in Schwanenstadt locken schon kurz vor ihrer Fertigstellung internationale Besucher an. Denn erstmals ist es gelungen, in einem derartigen öffentlichen Gebäude den Bedarf an Heizenergie auf ein Minimum zu reduzieren. Durch konsequente Dämmung und ausgeklügelte Belüftung braucht man für die 5000 m² Nutzfläche künftig nicht mehr Heizenergie als ein konventionelles Einfamilienhaus. 400.000 Kilowattstunden Heizenergie und damit _90 Prozent der bisherigen Betriebskosten wurden eingespart – und gleichzeitig 95 Prozent der CO2-Emissionen. Wobei der Umbau nur um acht Prozent mehr als eine "normale" Sanierung kostete.

    Weitere Schmankerln: Sämtliche Leistungen und damit die Wertschöpfung blieben in der Region. Die neuen Fassadenelemente wurden in einer 200 Meter entfernten Holzbaufirma in großen Teilen vorgefertigt – und konnten dann trotz laufenden Schulbetriebs binnen dreier Tage auf die bestehende Fassade anmontiert werden, berichtet Architekt Heinz Plöderl. Und: Eine in der Fassade integrierte Photovoltaik-Anlage liefert mindestens so viel Sonnenstrom, wie die Lüftungsanlage benötigt.

  • Das Biogas-Kraftwerk Bei dem geplanten "Greenland"-Kraftwerk in Utzenaich im Innviertel soll künftig nicht nur Biogas erzeugt und in das Erdgasnetz eingespeist werden. Aufsehen könnte dieses Projekt vor allem erregen, weil auch geplant ist, aus der in der Produktion anfallenden Milchsäure Biokunststoffe zu erzeugen. So könnte auch in der Kunststoffindustrie Erdöl ersetzt werden. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.09.2007)
    • Das Sonnenkraftwerk auf dem Dach der Firma Fronius. Damit werden 75 Prozent des Energiebedarfs gedeckt. Aber: Die Exportquote bei den Photovoltaik-Produkten beträgt 99 Prozent.
      foto: standard/david

      Das Sonnenkraftwerk auf dem Dach der Firma Fronius. Damit werden 75 Prozent des Energiebedarfs gedeckt. Aber: Die Exportquote bei den Photovoltaik-Produkten beträgt 99 Prozent.

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