Aufsicht untersucht Meinl Bank

13. September 2007, 15:16
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Diese Woche beginnt die Aufsichtsbehörde eine Vor-Ort-Prüfung der Meinl Bank, die mit Meinl-Börsegängen gute Geschäfte machte

Wien – Nächste Eskalationsstufe in der Causa Meinl European Land (MEL). Die hohen Wellen, die die massiven Aktienrückkäufe und unklaren Eigentumsverhältnisse ausgelöst haben, erfassen nun die familieneigene Meinl Bank. Die Finanzmarktaufsicht FMA, die seit Bekanntwerden der Affäre prüft, dehnt ihre Aktivitäten aus: Am Mittwoch werden die Vor-Ort-Prüfer der FMA nach MEL auch in der Privatbank mit Sitz am Wiener Bauernmarkt eintreffen. FMA-Sprecher Klaus Grubelnik: "Wir untersuchen alle Aspekte, nützen alle uns zur Verfügung stehenden Instrumente, machen daher auch Vor-Ort-Prüfungen."

Es geht um den Verdacht der Marktmanipulation und des Insiderhandels, untersucht wird das Zusammenspiel zwischen MEL und Bank: Sie war für die Platzierungen der Zertifikate der MEL, Meinl Airport (MAI) und zuletzt der Meinl International Power (MIP; in die Meinls Freund Karl-Heinz Grasser involviert ist) zuständig. Die Bank fungierte als Market Maker, kassierte Provisionen.

Aufsichtsrat Reiter zieht sich zurück

Einen ersten Abgang in der Bank gibt es bereits: Aufsichtsrat Alfred Reiter (er war lange Chef der Investkredit) scheidet aus, er möchte sich "den medialen Druck im Umfeld mit 67 Jahren nicht mehr antun", sagte er zu "Profil". Reiter, so ergeben Recherchen des STANDARD im Umfeld der Meinl Bank, wollte sich schon vor den jetzigen Turbulenzen zurückziehen – seine entsprechenden Vorstöße hätten aber "stets darin geendet, dass Julius Meinl V. (er ist Vorstandschef der Bank; Anm.) ihn beruhigt und zum Dableiben bewegt hat". Die Vor-Ort-Prüfer werden nun darangehen, die Bücher zu öffnen und alle Kundenaufträge nachzuvollziehen; über all dem steht die Frage, ob die Bank die Kapitalmarktgesetze, im Speziellen auch die Vorschriften des Wertpapiergesetzes, eingehalten hat – und ob (und allenfalls: wie) sie in den Rückkauf der MEL-Aktien involviert war. Ein Prüfauftrag an die Nationalbank (OeNB) ist laut Grubelnik anderslautenden Meldungen nach "nicht erfolgt".

Aufsicht unter Zugzwang

Hintergrund: Die FMA kann für Bankwesengesetz-relevante Fragen (wie Markt- und Kreditrisiko) die OeNB-Prüfer beauftragen. Angesichts der jüngsten Bankskandale ist die Aufsicht unter massiven Beschuss geraten, zumal FMA und Notenbanker, flapsig ausgedrückt, völlig zerstritten sind. Die OeNB will die Bankaufsicht an sich ziehen, die FMA nichts davon hören. Eine von der Regierung eingesetzte Arbeitsgruppe ist nun dabei, die Neuordnung der Aufsicht auszuarbeiten, parallel dazu finden parteipolitische Applanierungsarbeiten des wenig reputierlichen Streits statt.

Laut einem in die Causa Meinl Involvierten dürfte die Privatbank (Bilanzsumme 5,6 Mrd. Euro; Forderungen: 3,2 Mrd. Euro; Verbindlichkeiten: 5,3 Mrd.) sehr speziell geführt worden sein, die Aufsichtsräte hätten "wenig Ahnung" gehabt. Der für den Vertrieb zuständige Bankvorstand Robert Kofler habe die großen Investoren bei der Abwicklung des Verkaufs der MEL-, MIP- und MAI-Papiere höchstpersönlich betreut. Die Frage, ob die Bank über die Spezialitäten der Papiere (Stichwort: Jersey und Partly Paid Shares) aufgeklärt hat, wird derzeit geprüft. Die Meinl-Gruppe verweist auf die Angaben im Börsenprospekt.

Kurssturz programmiert

Zudem wird den Vermutungen nachgegangen, die der Markt hegt: Als die Immobilien-Aktien abstürzten und parallel dazu die (vermeintliche) MIP-Aktie platziert wurde, habe man den Großinvestoren MEL abgekauft (zum Kurs von mehr als 20 Euro) und ihnen statt dessen MIP-Papiere angedient. Allerdings, so ein Analyst, habe der Markt die Rückkäufe natürlich nachvollziehen können und im Wissen um die Endlichkeit dieses Spiels MEL-Papiere en masse verkauft, aber MIP-Papiere gescheut. Womit der Kurssturz programmiert war.

Arge Probleme hat die Meinl Bank zu gewärtigen, sollten die Prüfer zum Schluss kommen, dass MEL-Anleger geschädigt wurden, weil die Bank eine andere (die MIP-) Aktie platzieren wollte – und erst recht, wenn sich herausstellen sollte, dass die Bank die MEL (via Partly Paid Shares) beherrscht, worauf beim Börsengang 2002 auch dezidiert hingewiesen wurde. Sollte das immer noch der Fall sein, könnten Schadenersatzansprüche direkt die Bank treffen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.09.2007)

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    Julius Meinl V. sagt: "Ich führe eine Bank und kein Immobiliengeschäft." Seine Bank wird nun durchleuchtet.

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