Ein Pilger unter Pilgern

6. Februar 2008, 20:25
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Der Papst unternimmt eine Pilgerreise, wie er betont, keine politische Reise. Die Schwierigkeiten der Kirche in Österreich hält er für überwunden.

Sein Österreich-Besuch sei keine „politische Reise“, sondern eine „Pilgerreise“, hatte Papst Benedikt XVI. unmittelbar vor dem Start in Rom erklärt. Dennoch traf der Papst in Wien auch mit den Spitzen des Staates zusammen.

Mit „großer Freude“ begrüßte Bundespräsident Heinz Fischer den Heiligen Vater am Wiener Flughafen. Fischer lobte die bewährten „völkerrechtlichen Vereinbarungen zwischen dem Vatikan und Österreich“, die auch in Zukunft zu den „verlässlichen Grundlagen der Beziehungen“ zählen würden. Abweichend von seinem Redemanuskript, das vorab bekannt wurde, hatte Fischer die „Gleichwertigkeit aller Menschen – Männer und Frauen“ dann doch nicht extra betont. Fischer bezeichnete Österreich als ein Land mit einer „langen, eindrucksvollen und ereignisreichen Geschichte“. Österreich sei stolz auf wichtige Beiträge – „ohne dabei zu vergessen, dass man auch die dunklen Stunden unserer Geschichte einbekennen“ müsse.

Prozess stoppen

Benedikts Besuch ist auch der Versuch, den Niedergang der katholischen Kirche in Österreich zu stoppen. In den 90er-Jahren haben Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen den damaligen Kardinal Hans Hermann Groër die christliche Gemeinde erschüttert. Zu Hunderttausenden traten damals Menschen aus der Kirche aus. Dieser Prozess hat sich, wenn auch verlangsamt, fortgesetzt.

Noch im Flugzeug sprach Papst Benedikt davon, dass diese Reise eine Pilgerreise sei. „So werde ich Pilger unter Pilgern sein, unter den Betenden beten. Diese Pilgerreise ist ein Zeichen der Kraft der Wiedervereinigung, die es im Glauben gibt, und ein Zeichen der Universalität der Glaubensgemeinschaft, ein Zeichen der Demut und unseres Vertrauens in Gott. Wir brauchen alle die Hilfe Gottes. Diese Reise ist auch Ausdruck der Liebe für die Muttergottes.“

Auf die Schwierigkeiten der österreichischen Kirche angesprochen, antwortete der Papst: „Ich möchte all jenen danken, die in diesen letzten Jahren gelitten haben. Ich weiß, dass die Kirche in Österreich schwierige Zeiten erlebt hat, umso mehr bin ich all jenen dankbar, Laien, Geistlichen und Priestern, die trotz der Schwierigkeiten der Kirche und dem Zeugnis Jesu treu geblieben sind. Und die in der Kirche der Sünder das Antlitz Christi erkannt haben. Ich meine, dass diese Schwierigkeiten vollkommen überwunden sind.“ (völ/DER STANDARD, Printausgabe, 8./9.9.2007)

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    Der Papst vor dem Holocaust-Mahnmal auf dem Judenplatz ...

  • ... zuvor mit dem Bundespräsidenten bei der Begrüßung in Schwechat: freundliche Worte für Gast und Gastgeber.
    foto: robert newald

    ... zuvor mit dem Bundespräsidenten bei der Begrüßung in Schwechat: freundliche Worte für Gast und Gastgeber.

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