Der Schädel-Schaber

9. September 2007, 12:00
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Weil der "klassische" Nass- rasierer beim Schädelrasieren unpraktisch ist, entwickelte ein Kalifornier den "HeadBlade" - und wurde damit zum Pionier in einem Markt, der dort wächst, wo nichts mehr wächst

Die Geschichte der wirklich großen und revolutionären Erfindungen war immer auch eine Geschichte der Irrtümer. Das weiß Todd Greene. Etwa, dass da bei IBM angesichts des ersten Konzeptes für autonome Tisch-Computer (vulgo: PC) einst der Satz "Nett, aber wer soll sowas je brauchen?" gefallen sein soll. Und deshalb, erklärt der heute 40-jährige Kalifornier, hätte er sich damals, vor mittlerweile sieben Jahren, als bei ihm Serienabsagen eintrudelten, auch dann keine grauen Haare wachsen lassen, wenn da noch Haare auf seinem Kopf gewesen wären. Doch weil die Hersteller von Rasierern sich angesichts der Greene'schen-Entwürfe nur auf die Schenkel klopften, beschloss der Fundraiser und Online-Redakteur, die Sache selbst in die Hand zu nehmen.

Seither ist Todd Greene Präsident von "HeadBlade Inc.". Und hat mittlerweile Millionen Schädelrasierer verkauft, Designpreise eingeheimst - und eine Fangemeinde aufgebaut. Denn dass der langstielige Griff des "klassischen" Nassrasierers beim Schädelhobeln unpraktisch ist, wissen Schur-Köpfe. Doch während die meisten das Werkzeug deshalb ohne nachzudenken knapp an der Klinge halten, bastelte Greene einen besser führbaren Rasierer. Bei dem - das nur nebenbei - die Klinge nicht gezogen, sondern geschoben wird.

Ganz eigene Ansprüche

Mittlerweile vertreibt Greene aber mehr als gelbe Schädelschaber: Von der Rasiercreme über Pflegegels und Sonnenschutz reicht sein Sortiment bis zu "Head Wipe"-Feuchtigkeitstüchern. Schließlich, behauptet der Unternehmer, habe die Haut am kahlen Kopf ganz eigene Ansprüche. Die Kundschaft goutiert es: Trug man früher "Meister Proper"-Shirts, bekennt man sich heute per "HeadBlade"-Mütze zur Frisurlosigkeit.

Und verzichtet auf "Camouflage": Ausdünnendes Haupthaar ist kein Minderheitsprogramm: Bei jedem dritten Mann lichtet sich das Haar ab Mitte 20 merklich. Und die Look-Wahl "Erwin Pröll oder Yul Brynner" verliert Niederösterreich immer öfter. Mehr noch: Foren wie "BBC" ("Bald by Choice") predigen kahles Selbstbewusstsein ("Als Gott den Menschen schuf, gelangen ihm einige Köpfe gut - den anderen gab er Haare."). Statt Haaren sprießt dort ein Markt für Glatzen-Kosmetika. Dass die großen Kosmetikkonzerne da nicht präsent sind, irritiert Schädelscherer Greene nicht: "Vor 20 Jahren hätte man auch die Idee des Damenrasierers verlacht. Und als ich meine Firma gründete, war Kopfrasieren abnormal. Das tat nur, wer aus den sozialen Normen fallen wollten - dass das heute ein akzeptierter Mainstream-Look sein würde, hätte niemand geglaubt." Zumindest das dürften nun auch andere erkennen: Der Solinger Schneidwarenhersteller "Dovo" etwa hat mittlerweile ein Edelstahl-Glatzen-Tool am Markt. Doch im Handling ähnelt es Greenes "HeadBlade" fast aufs Haar. (Thomas Rottenberg/Der Standard/rondo/07/09/2007)

  • "Als Gott den Menschen schuf, gelangen ihm einige Köpfe gut - den anderen gab er Haare."
    foto: hersteller

    "Als Gott den Menschen schuf, gelangen ihm einige Köpfe gut - den anderen gab er Haare."

  • HeadBlade
    foto: hersteller
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