"Globalisierung stößt an Grenzen"

16. Oktober 2007, 15:26
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Die Arbeiten zum Ausbau des Panama-Kanals starten, er soll auch für die Jumbos der Containerschifffahrt passierbar werden

Fast 400 Meter lang, 56 Meter breit und bestückt mit einer 14-Zylinder-Maschine, die eine Leistung von 109.000 Pferdestärken bringt: Mit dem Stapellauf der "Emma Maersk" hat die dänische Reederei Møller-Maersk im Herbst 2006 das bisher größte Containerschiff der Welt auf Fahrt geschickt.

Der Riesenpott bietet Platz für mindestens 11.000 Container. Ein Zug mit gleicher Ladung würde von Wien bis Ternitz (71 km) reichen. Mitte des nächsten Jahrzehnts, nach Abschluss der Erweiterungsarbeiten beim Panama-Kanal, sollen Megafrachtschiffe wie die "Emma Maersk" nicht nur auf der stark frequentierten Asien-Europa-Route verkehren, sondern auf schnellstem Weg auch zwischen Atlantik und Pazifik.

Starkes Wachstum

Die internationale Hochseeschifffahrt, insbesondere der Transport von Containern, wächst wie kaum eine andere Logistiksparte. Daran soll sich auch die nächsten Jahre nichts ändern, der Branche werden durchschnittlich zweistellige Zuwachsraten vorhergesagt. Der wichtigste Grund dafür ist die weiter voranschreitende internationale Arbeitsteilung.

Noch vor 20 Jahren wurden Fernseher und Kühlschränke, Schuhe, Hemden und andere Bekleidungsgegenstände für den europäischen Bedarf vorwiegend in Europa produziert. Inzwischen kommt der überwiegende Teil dieser Güter in Container verpackt per Schiff aus Fernost. Namentlich China hat sich zu einem Hotspot entwickelt und schickt sich an, neben der Weltmarktführung bei einfach gestrickten Produkten auch den Hightech-Bereich zu dominieren. Während der Schiffsraum in den großen Verladezentren am ostchinesischen Meer zunehmend knapp wird und in "heißen Phasen" wie der Vorweihnachtszeit für Europa bestimmte Waren schon einmal zwei bis drei Wochen liegen bleiben, gibt es am anderen Ende andere Probleme: Stau.

"Die Schiffe sind übervoll"

"Die Globalisierung stößt an ihre Grenzen. Die Schiffe sind übervoll, es staut sich in den Häfen, weil der Weitertransport in das Hinterland nicht funktioniert", sagt Klaus Lippstreu, bei Schenker, Österreichs größter Spedition, für den Schiffsverkehr zuständig, dem STANDARD. Die Bahnen hätten viel zu wenig Waggons; angesichts der Gütermengen, die von Schiffen der jüngsten Generation mit 11.000 TEU oder mehr (Twenty Foot Equivalent Unit, eine in der Branche übliche Maßeinheit für einen Standardcontainer) transportiert werden, sei auch der Einsatz zusätzlicher Lkws keine Lösung. Lippstreu: "Um die Ladung von so einem Schiff weiterzubefördern, wären gut hundert herkömmliche Züge notwendig." Auf neue Waggons warteten die Bahnen zum Teil bis zu drei Jahre.

Auch die Werften sind ausgelastet bis weit in das Jahr 2010 hinein. Bis 1. Juli 2007 waren nach Berechnungen des Bremer Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) weltweit 4100 Vollcontainerschiffe unterwegs. Weitere 1400 Schiffe mit insgesamt 5,6 Millionen Stellplätzen waren bestellt, sie sollen in den nächsten drei bis vier Jahren vom Stapel laufen. Neben der "Emma Maersk", die Schätzungen zufolge bis zu 13.000 TEU laden kann, pflügen derzeit noch 37 andere Schiffe mit jeweils mindestens 12.000 Stellplätzen durch die Weltmeere, 20 weitere in dieser Größenordnung sind bestellt. Burkhard Lemper vom ISL verweist im Gespräch mit dem Standard auf die zuletzt kräftig gestiegenen Treibstoffpreise. Die Wirtschaftlichkeit von Schiffen mit hohem Fassungsvermögen sei wieder deutlich gestiegen.

Neue Kähne für die Welt

Tatsächlich werden auf den Reißbrettern schon Kähne mit bis zu 15.000 Stellplätzen gezeichnet. Diese werden nur mehr ausgewählte Häfen anfahren. Voll beladen schaffen Riesenkähne wie die "Emma Maersk" schon jetzt nicht den Weg bis in den Hafen Hamburg. Noch heuer soll deshalb in Deutschland mit dem Bau eines Tiefwasserhafens bei Wilhelmshaven (JadeWeserPort) begonnen werden, um die Giganten der Meere auch in voll beladenem Zustand löschen zu können. (Günther Strobl, Julia Raabe, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2007)

  • Die "Emma Maersk" ist das derzeit größte Containerschiff der Welt. In voll beladenem Zustand hat der knapp 400 Meter lange und etwa 16 Stockwerke hohe Pott einen Tiefgang von 16 Meter. Nur in wenigen Häfen kann das Riesenschiff Anker legen.
    foto: maersk

    Die "Emma Maersk" ist das derzeit größte Containerschiff der Welt. In voll beladenem Zustand hat der knapp 400 Meter lange und etwa 16 Stockwerke hohe Pott einen Tiefgang von 16 Meter. Nur in wenigen Häfen kann das Riesenschiff Anker legen.

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