Den Giglach und die Knappen sehen

    31. August 2007, 17:00
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    In einem alte Bergbaugebiet in den Niederen Tauern bei Schladming stösst man heute noch auf Spuren und Relikte aus dem Alltag der Stollenarbeiter

    Eine Sage berichtet von Knappen, die durch die Erzminen oberhalb des Giglachsees in den Niederen Tauern bei Schladming so reich wurden, dass sie mit dem Geld um sich warfen und üble Streiche vollführten. Als sie einmal einem Stier bei lebendigem Leib die Haut abzogen und in das Tal trieben, kündigte ihnen ein Vogel Strafe für den Frevel an, indem er sang: „Giglach, moch’s Loch zua, die Knappen treiben Übermuat!“ Kurz darauf brach Wasser in die Stollen ein, hunderte Bergleute ertranken, Elend kam über die Witwen und deren Kinder.

    Die Wirklichkeit sah etwas anders aus. Zwar waren zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Schladming über 1500 Knappen tätig, doch ging der Bergbau bald durch blutige Auseinandersetzungen im Religionsstreit stark zurück. Zudem brachte der Abbau der Lagerstätten zu geringe Ausbeute an Silber, Nickel und Kobalt. Wer heute zu den verfallenen Unterkünften, den teilweise verstürzten Stollen am Freying und im Vetternkar aufsteigt, kann sich unschwer vorstellen, wie schwierig damals die Arbeitsbedingungen der Bergleute waren, und glaubt dem Chronisten, der von Entbehrungen, Mühen und Gefahren – vor allem im Winter – in einer Hochgebirgsgegend über fünf Stunden von der nächsten Behausung entfernt schrieb.

    In der Ignaz-Mattis-Hütte über dem Ufer des Giglachsees hängen Pläne und Fotos vom Stollensystem des oberen Giglerbaus am Freying und des Vetternbaus unterhalb der Vetternspitze, die einen guten Eindruck vom Ausmaß der Gruben vermitteln. In natura findet der Wanderer viele interessante Spuren und Relikte. Die Stollen darf man natürlich wegen der Einsturzgefahr nicht betreten, die Minen und Halden im Vetternkar betrachtet man wegen des Steinschlags besser aus sicherer Entfernung vom Ufer eines der beiden Knappenseen. Die Wanderung ist nicht schwierig oder anstrengend, der markierte Weg zur Rotmandlspitze führt bis in die Nähe der Minen. Und man wandert in einer grandiosen alpinen Landschaft, die durch den Gesteinswechsel vom Silikat zu Kalk geprägt ist und herrliche Gewässer aufweist.

    Die Route: Von der mit dem Auto oder Bus erreichbaren Ursprungalm steigt man in 1¼ Stunden über den Preuneggsattel zur Ignaz-Mattis-Hütte auf und wandert zum Ablauf des Unteren Giglachsees. Auf dem rot markierten Pfad geht es in mäßiger Steigung in das Vetternkar. Die Abzweigung zu den Stollen am Freying ist nicht zu verfehlen. Wo der Weg scharf nach links in den steilen Hang der Rotmandlspitze führt, hält man sich auf dem gut ausgeprägten Steig geradeaus und gelangt zu den Knappenseen. Gehzeit ab Ignaz-Mattis-Hütte 1½ Stunden.

    Zurück auf der Anstiegsroute bis zum Unteren Giglachsee, an dessen Südufer ein Fahrweg zur Giglachseehütte führt. Von dort zurück zur Ursprungalm. Gehzeit ab Knappensee 2 Stunden. (Bernd Orfer/Der Standard/Printausgabe/1./2.9.2007)

    Gesamtgehzeit 4¾ h, Höhendifferenz rund 700 m. Ignaz-Mattis-Hütte und Giglachseehütte durchgehend offen. ÖK25V 3223-Ost (Obertauern) und 3224-West Schladming); Freytag & Berndt WK 201 (Schladminger Tauern, Radstadt-Dachstein).


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    • Blick auf die Gipfel der Niederen Tauern.
      foto: österreich werbung / lamm

      Blick auf die Gipfel der Niederen Tauern.

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