"Ich bin trotzdem angetreten"

7. April 2008, 16:16
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Sonja Ottenbacher ist eine der drei ersten Bürgermeisterinnen in Salzburg - Ihr Vorgänger wollte einen Mann als Nachfolger

Stuhlfelden/Wien – Wenn Sonja Ottenbacher über ihre Arbeit als Bürgermeisterin in Stuhlfelden im Pinzgau spricht, klingt große Begeisterung für ihre Tätigkeit durch. Mit demselben Elan möchte sie nun ihr Amtskolleginnen österreichweit vernetzen. "Wir haben uns immer bei den Gemeindetagen getroffen, und irgendwann war mir klar: Wir Frauen sollten uns zu einem Erfahrungsaustausch treffen."

Rücken gestärkt

2004 wurde die VP-Politikerin zur Bürgermeisterin der 1597-EinwohnerInnen-Gemeinde mit einem 2,2-Millionen-Euro-Budget gewählt. Mit über 80 Prozent der Stimmen und einem ordentlichen Wirbel im Vorfeld. Der frühere Bürgermeister, der über 30 Jahre im Amt war, wollte nämlich einen Mann als Kandidaten aufstellen und nicht seine Vizebürgermeisterin Ottenbacher. "Ich bin trotzdem angetreten", erzählt die 46-Jährige lachend.

Zu Beginn werde man als Frau schon sehr genau unter die Lupe genommen: "Wie tritt sie auf, wie kompetent ist sie in Krisensituationen?" Das "Um und Auf" sei, dass ihr Mann hinter ihr stehe und sie stets bestärkt habe. Wichtig sei für sie in ihrer Arbeit besonders "der Abstand vom Kirchturmdenken". So hat Ottenbacher mit dem Nachbarort Hollersbach für Betriebsansiedlungen einen gemeindeübergreifenden Finanzausgleich ausverhandelt.

Gute Erfahrung mit männlichen Kollegen

Ihr Bürgermeisterinnenamt übt die ausgebildete Psychotherapeutin "fast hauptberuflich" aus: "Manchmal können es schon 60 Stunden in der Woche werden" – in ihrer psychotherapeutischen Praxis in Mittersill arbeitet sie nur noch gelegentlich. Mit ihren männlichen Kollegen hat die Gemeindechefin bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. "Es war von Anfang an eine Selbstverständlichkeit, dass es jetzt eben Bürgermeisterinnen in Salzburg gibt." Was Ottenbacher besonders freut: "Alle drei sind im Pinzgau." (fern/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8. 2007)

Wird fortgesetzt

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Wo die Frau Bürgermeister regiert
Österreichs Kommunalchefinnen wollen sich vernetzen
  • Ottenbacher möchte Österreichs Bürgermeisterinnen zusammenbringen.
    foto: standard/faistauer
    Ottenbacher möchte Österreichs Bürgermeisterinnen zusammenbringen.
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