Viel zu von

31. August 2007, 13:09
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Die Edelleute sind wieder da - Aber eigentlich waren sie nie weg

Das Gute zuerst: Die Edelleute sind wieder da. Waren eigentlich nie weg. Frau Spencer z. B., ein geschwätziges, gurkennasiges und seit zehn Jahren totes Trutscherl aus Norfolk würde ohne Adelstitel wohl kaum auf den Titelblättern dieser Welt perseverieren. Friedrich Schillers Schwester oder Richard Wagners Freundin, die auch hauptberuflich mit Promis zugange waren, und sich ebenso an einem 31. August in den Hades verabschiedeten, schwiemeln höchstens in chlorfrei gebleichten deutschen Frauenkalendern herum.

Aristokraten! Unsere internatgepflegten, dreisprachigen Trachtenträger mit Namen, die man sonst nur in Franz-Joseph-Land oder im Zuchtverzeichnis Bayerischer Gebirgsschweißhunde findet! Nie waren sie Österreich teurer als knapp 100 Jahre nach ihrer Abschaffung. Die Aristos von heute entwerfen Wickelkleider mit Tapetenmuster, kommentieren Opernbälle, fahren Ski für Mexiko, werken als Kardinal, Chef-Seniorenbündler oder Ex-Innenminister, sie verkaufen Waffen, fälschen Thailändische Visa oder tricksen mit Tierparksubventionen, sie zweifeln laut am Holocaust oder werben für tschechische Atomkraftwerke - also Menschen wie du und du.

Was die Alten im St. Johanns Club oder im familieneigenen Forsthaus abloden, plauschen die BoNos (Bohème Nobility) auf schwarzekarte.de über Lieblingschampagner und St. Moritzer Shoppingadressen oder chillen in Ischl - wo sonst. Dort mischen sich anlässlich Kaisers Geburtstag allsommerlich Kröten und Plöten, wenn blutjunge, bildhübsche heimische Prinzessinnen ihre adeligen Dutten in Preis-auf-Anfrage-Dirndln ("veredelt mit Swarovski-Kristallen") präsentieren. Und dabei total natürlich bleiben!

Schlecht ist, dass es die Zweiklassengesellschaft auch bei Königs gibt. Faschings-Monarchen, wie z. B. aus Dubai, Kuweit, Nepal, Thailand, Saudi-Arabien etc. kommen wohl nie zu einer Einladung zum "ländlichen Mittagessen" bei Fürstin Manni in Fuschl. (Una Wiener/Der Standard/rondo/31/08/2007)

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    Nie waren sie Österreich teurer als knapp 100 Jahre nach ihrer Abschaffung.

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