Hahn ändert Rückerstattungs-Modell: Nur Nachhilfe ersetzt Gebühren

30. August 2007, 15:06
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Doch kein Abarbeiten der Studiengebühren durch Schülerberatung - Aufregung im Unterrichtsministerium: Bei Entwurf "nicht eingebunden" - Schmied: "Missverständnis"

Bundesminister Hahn präsentiert ein modifiziertes Studiengebühren-Modell und sorgt damit für Unruhe in der Koalition: Die Studiengebühr kann nicht mehr durch Studienberatung an Schulen abgearbeitet werden, sondern nur noch duch Nachhilfe. Als Grund führte Hahn auch die Weigerung der Hochschülerschaft (ÖH) an, das Modell abzuwickeln: "Ohne die ÖH wäre der bürokratische Aufwand zu groß." Refundiert werden soll die Gebühr daher nur mehr über das "Mentoring"-Modell (60 Stunden Nachhilfe bzw. Stütz-oder Förderunterricht für Zehn- bis 14-Jährige pro Semester). Auch hier verweigert die ÖH nach wie vor die Mitarbeit, die Abwicklung ist daher noch unklar.

Der Vorstoß von Wissenschaftsminister Johannes Hahn zur Streichung des "Tutorings" für die Studiengebühren-Rückerstattung ist laut Unterrichtsministerin Claudia Schmied nicht mit ihr abgesprochen. In der kommenden Woche sei eine Sitzung der Arbeitsgruppe zu diesem Thema angesetzt, hieß es auf APA-Anfrage aus dem Unterrichtsministerium. Es wäre sinnvoll gewesen, diesen Vorschlag dort einzubringen und diesen nicht über die Medien auszurichten.

Hahn: SPÖ war informiert

Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat die Aussage des Unterrichtsministeriums, wonach der Vorstoß zur Streichung des "Tutorings" für die Studiengebühren-Rückerstattung mit Ministerin Claudia Schmied nicht abgesprochen sei, als "Missverständnis" bezeichnet. Gegenüber der APA erklärte er Mittwochabend, er habe mit der Ministerin mehrmals darüber gesprochen, "zuletzt heute Vormittag". In der Vorwoche habe er, Hahn, auch Bundeskanzler Alfred Gusenbauer informiert, der mit dem Vorschlag einverstanden sei.

Inhaltlich will man sich im Unterrichtsministerium nicht zu dem neuen Vorschlag von Wissenschaftsminister Johannes Hahn über die neue Studienberatung für Schüler durch Psychologen äußern. Im Büro von Unterrichtsministerin Claudia Schmied verwies man am Donnerstag auf Anfrage der APA auf die interministerielle Arbeitsgruppe, die dieses Thema behandelt und am 4. September wieder tagt. In dieser solle es zu einer "gemeinsamen Lösung" kommen.

Im ORF-Mittagsjournal betonte Schmied neuerlich, dass es "weder auf Beamtenebene, noch in der Arbeitsgruppe noch mit mir klare Vereinbarungen" gegeben habe, von "Zustimmung" zu dem neuen Modell könne also keine Rede sein. Die Kommunikation zwischen ihr und Hahn sei üblicherweise "ausgezeichnet", in diesem Punkt habe es "offensichtlich ein Missverständnis" gegeben.

Hahn will "Missverständnisse ausräumen"

Johannes Hahn will die Missverständnisse mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied "ausräumen". Solche Missverständnisse gebe es "manchmal auch in unserem Geschäft, obwohl man mitsammen gesprochen hat". Hahn zeigte sich in einer Aussendung überzeugt, gemeinsam mit Schmied an der Umsetzung der "Studienchecker" zu arbeiten. Ziel sei, die Studienberatung auf professionelle Beine zu stellen, Planung und Abwicklung passiere dann in Kooperation mit den Schulen und den Bildungsberatern, so Hahn.

"Art Selbstassessement"

ÖVP-Wissenschaftssprecherin Gertrude Brinek betonte in einer Aussendung, dass der geplante Test in der 7. Klasse AHS "keine Prüfung sein soll, sondern eine wertvolle Rückmeldung und Orientierungshilfe an die Schüler". Diese "Art Selbstassessement" sei die erste Stufe eines zweistufigen Verfahrens, bei dem es darum gehe, Neigungen und Interessen zu filtern. Die "Studien-Checker", nach Hahns Plänen Mitarbeiter der psychologischen Studentenberatung, würden dieses Ergebnis interpretieren und auf Wunsch mit den Schülern sprechen. In einem solchen Gespräch sollen diese Interessen und Neigungen präzisiert werden und sich "im Idealfall drei mögliche Studienfächer herauskristallisieren". "Ziel ist, dass am Anfang der 8. Klasse jeder Maturant wissen soll, was er am Ende der Achten macht bzw. auch welche Schwerpunkte er bei der Matura setzen möchte."

ÖH will keinen "schwarzen Peter"

Die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) stelle sich nach wie vor klar gegen das Sozialdienstmodell, hieß es in einer ÖH-Aussendung. Lisa Schindler vom ÖH-Vorsitzteam: "Es war von Anfang an klar, dass die ÖH sich nicht an der Abwicklung eines für Studierende sinnlosen Modells beteiligen wird. Den 'schwarzen Peter' an der Nicht-Durchführung des Modells lässt sich die ÖH nicht zuschieben, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass in der Ausarbeitung des Modells die Teilnahme der ÖH auch nicht erwünscht war. Wir werden kein Modell unterstützen, von dessen Teilnahme wir allen Studierenden abraten." (APA)

  • Zuerst hieß es: Mentoring und Tutoring sollen der Gebührenbefreiung dienen. Jetzt ist nur mehr Mentoring übriggeblieben.
    foto: standard/fischer

    Zuerst hieß es: Mentoring und Tutoring sollen der Gebührenbefreiung dienen. Jetzt ist nur mehr Mentoring übriggeblieben.

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