Keine US-Visa für Flüchtlinge im Irak

4. September 2007, 09:10
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Ausreisewillige müssen Antrag in Nachbarländern einreichen – Außenministerium spricht von Sicherheitsproblem

Bis zu 25.000 irakische Flüchtlinge wollten die USA 2007 aufnehmen, kündigte Ellen Sauerbrey, Abteilungsleiterin für Flüchtlingsfragen im US-Außenamt, im April an (derStandard.at berichtete). Im Mai wurde die Zahl auf 7000 reduziert.

Insgesamt haben sich seit sich August 2006 nur 190 irakische Flüchtlinge in den USA niedergelassen, bis Ende Oktober sollen es 2000 werden, sicherte Sauerbrey kürzlich beim Besuch in Jordanien zu. Eine Massenvergabe von US-Visa schloss sie dabei allerdings aus.

Keine US-Visa in Bagdad

Die Emigranten haben aber mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen: die Bearbeitung eines Asylantrages dauert bis zu fünf Monate, und die Einreichung ist nur in den Nachbarländern des Irak möglich. In der US-Botschaft in Bagdad werden nämlich keine Visaanträge entgegengenommen - aus Sicherheitsgründen, betont das Außenministerium.

Die Regierung Syriens, wohin Iraker relativ problemlos reisen können, lässt wiederum keine Mitarbeiter des US Department of Homeland Security ins Land, wodurch die Bearbeitung der Visaanträge in die Länge gezogen wird. Voraussetzung für die Einreisegenehmigung ist nämlich eine persönliche Befragung des Antragstellers durch die Anti-Terrorismus-Behörde. Wenn der Asylwerber angibt, Lösegeld für ein entführtes Familienmitglied bezahlt zu haben, wird die Ausstellung eines Visums verweigert: derartige Zahlungen gelten für die US-Immigrationsbehörden als Unterstützung terroristischer Organisationen.

Aufständische machen Jagd auf "Kollaborateure"

Besonders Iraker, die in den vergangenen Jahren für die US-Armee tätig waren und deshalb Gefahr laufen, Ziel von Anschlägen zu werden, streben die Einreise in die Vereinigten Staaten an.

Diese Asylwerber sollen nun bevorzugt behandelt werden: wenn man nachweisen kann, für die Amerikaner gearbeitet zu haben, kann man in Jordanien einen Express-Antrag stellen. Offiziellen Angaben zufolge sind 69.000 Iraker für das US-Verteidigungsministerium tätig.

EU rechnet mit 40.000 Flüchtlingen

Etwa 1,4 Millionen Iraker leben in Syrien im Exil, weitere 750.000 in Jordanien. Die Flüchtlingskrise ist jedoch längst nicht mehr auf die Region begrenzt: Asylanträge von Irakern in EU-Ländern haben sich von 2005 auf 2006 mehr als verdoppelt: Nach einer Studie des UNHCR wird die Zahl der Irak-Flüchtlinge in Europa im Jahr 2007 auf 40.000 Menschen ansteigen. (bed/derStandard.at, 29.8.2007)

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    Warteschlange vor der Registrierungsstelle des UN-Flüchtlingshochkommissariats in Damaskus.

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    Ellen Sauerbrey kündigte bei ihrer Jordanienreise an, dass die USA die Schulbildung irakischer Flüchtlingskinder mit 30 Millionen Dollar unterstützen werden.

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