"Chaos Communication Camp 2007": Mit Feenstaub und ohne Chef

23. August 2007, 11:23
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"Was mich jetzt schon fasziniert, ist diese Art der Selbstorganisation

Computer und Regen vertragen sich nicht. "Eine perfekte Situation für Hacker", meint Nick Farr von der Hacker Foundation aus den USA auf dem "Chaos Communication Camp" in in Brandenburg. "Sie zeigten, wie kreativ sie sind. Zum Beispiel spielten schon kurze Zeit nach den heftigen Regenschauern einige Leute Fußball. Trotz Schlammpfützen und so manchem durchnässten Zelt.»

2100 Teilnehmer

Garantiert trocken blieben die 2100 Teilnehmer in den Hangars des Luftfahrtmuseums Finowfurt bei Vorträgen, Performances sowie im Hackcenter bei Hardware- und Software-Hacking. Neben dem spielerischen Umgang mit der Technik ging es bei der Veranstaltung des Chaos Computer Clubs (CCC) aber auch ums Camperleben. Tagsüber ließen die Teilnehmer ihre ferngesteuerten Drohnen aufsteigen, knackten Schlösser bei der Hacker-Sportart "Lockpicking", spielten das asiatische Brettspiel "Go" oder flanierten zwischen den Zeltdörfern. Lichtspiele an Hangars, Bäumen, den musealen Flugzeugen und auf dem Campgelände machten die Zeltstadt in der Nacht zum Hingucker.

Nick Farr hat mit 38 anderen Hackern aus Nordamerika das Zeltdorf "Camp Anaconda" aufgebaut. Hier kamen die Camper aus verschiedenen Ländern zu Besuch, um Kontakte zu knüpfen. Schließlich waren sie eigens von der größten Hacker-Konferenz DefCon in Las Vegas nach Brandenburg gereist, um von den Gruppen rund um den CCC zu lernen, wie sie ihre lokalen Gruppen und Treffpunkte auf- und ausbauen. Das geht am besten, indem man gleich mitmacht, und so engagierten sie sich gleich als Camp-Helfer oder hielten Vorträge.

Überwältigt

"Ich bin überwältigt von den vielen Projekten, dem Miteinander und dem Austausch hier", sagt Farr. Auch spontan ergaben sich neue Vorhaben: Nach einem Vortrag über Genre und Hintergründe der Textadventures half einer der Referenten, Jens Ohlig, dem Hardware-Spezialisten vom "Make Magazine", Bre Pettis, aus den USA, selbst ein textbasiertes Spiel zu schreiben. Farr hielt einen Vortrag über das "Geocaching", die zunehmend beliebte Schatzsuche über das Internet mit Hilfe von GPS-Geräten. «Viele Leute kamen zu mir, und ich habe viel bei diesen Gesprächen gelernt», sagt Farr.

Fünf Tage lang dauerte die Veranstaltung, bei der die vielen Technophilen aus allen Altersgruppen jede Menge «Feenstaub» abbekamen - getreu dem Motto des Camps: "In fairy dust wie trust". «"Fairy Dust" (Feenstaub) nennen die Hacker das Space Shuttle zu dem Raumschiff mit "Unwahrscheinlichkeitsantrieb" aus dem Kultwerk "Per Anhalter durch die Galaxis". In der Geschichte von Peter Pan aber schützt der Feenstaub der Fee Naseweis auch vor dem verhängnisvollen Erwachsenwerden.

Verbundenheit

Der CCC zog eine positive Bilanz: "Zum ersten Mal ist ein von Hackern veranstaltetes Camp nicht defizitär", sagte Florian Holzhauer, einer der Organisatoren. Farr lobte besonders die harmonische Atmosphäre: "An diesem Ort gab es eine unglaubliche Form der Verbundenheit, überall lagen wichtige und teure Sachen herum, aber man konnte sich immer sicher fühlen."

In einem Hotel in Berlin haben die amerikanischen Hacker nun kurz den Feenstaub abgeschüttelt. Jetzt geht es für sie weiter auf eine Rundreise zu Hackergruppen in Deutschland und Österreich. Sie wollen unter anderem das Metalab in Wien, den Club in Köln, «das Labor» in Bochum und andere Projekte von Computerfreunden besuchen, um später bei sich zu Hause eine ähnliche Infrastruktur zu bilden. "Was mich jetzt schon fasziniert, ist diese Art der Selbstorganisation: Eine Gruppe sucht sich ein Ziel und gelangt als Gruppe dorthin - ohne einen Chef dabei zu brauchen", sagt Farr. "Wir wollen vor allem erfahren, womit die Gruppen zu kämpfen hatten, und wie sie sich entwickeln." (AP)

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