Individualisierung: Jedem Konsumenten sein eigener Werbespot

17. August 2007, 14:59
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Agentur Digitas will weltweites Netzwerk aufzubauen, das tausende verschiedene Versionen einer Werbung gestaltet und diese der jeweiligen Zielgruppe zeigt

"Werbung soll in Zukunft individuell auf jeden einzelnen Konsumenten zugeschnitten werden", verkündet David W. Kenny, Chairman der Werbeagentur Digitas, gegenüber der "New York Times". Sein Plan ist es, ein weltweites Netzwerk aufzubauen, das tausende verschiedene Versionen einer Werbung gestaltet und diese treffsicher der jeweiligen Zielgruppe zeigt. "Das entspricht dem grundsätzlichen Trend zur stärkeren Individualisierung", meint Peter Drössler vom Fachverband Werbung und Marktkommunikation im pressetext-Interview.

Levi's mit zwei Versionen eines TV-Spots

Erst kürzlich sorgte der Jeanshersteller Levi's mit zwei unterschiedlichen Versionen eines TV-Spots für Aufsehen: Während der männliche Hauptdarsteller des Werbeclips zuerst das Aufsehen einer jungen Frau auf sich zieht, wird diese im alternativen Ende kurzerhand von einem blonden Schönling ersetzt. Die zweite Version soll homosexuelle Konsumenten ansprechen und läuft auf Logo, einem Sender, der ebenfalls auf diese Zielgruppe zugeschnitten ist.

Produktion in Billiglohnländern

Laut Kenny könnte diese Individualisierung in Zukunft noch spezieller funktionieren. Die Produktion der Werbung könne in Billiglohnländer ausgelagert werden, wodurch die größere Vielfalt finanzierbar wäre. Vor kurzem eröffnete Digitas-Eigentümer Publicis die Agentur Digitas Greater China, um im chinesischen Werbemarkt Fuß zu fassen, der laut Experten ein jährliches Wachstum von 20 Prozent aufweist. Diese großen Produktionskapazitäten würden auch gebraucht, um genug Clips produzieren zu können und sich so endgültig von der Massenwerbung zu personalisierter Werbung weiterzuentwickeln, so Kenny.

Zukunftsvision

Drössler bezweifelt jedoch, dass die Technologie weit genug ist, um diese Vielfalt zu ermöglichen. Die Individualisierung auf jeden einzelnen Konsumenten sei eine Zukunftsvision. "Ich glaube, dass diese Entwicklung eher über die Dialogorientierung, die eine Mitgestaltung des Konsumenten zulässt, passieren wird. Zum Beispiel können Nutzer von Web 2.0 -Diensten dadurch ihr eigenes Interface gestalten und Werbungen auf die für sie interessanten Komponenten beschränken." (pte)

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