Mystische Töne eines Musikmediums

31. Juli 2007, 18:50
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Das Klangforum Wien widmet Giacinto Scelsi einen großen Abend

Conte Giacinto Francesco Maria Scelsi d'Ayala Valva, so lautet (oder adäquater: klingt) der volle Name eines enigmatischen italienischen Komponisten, von dem es kaum Fotos und überhaupt keine Notenhandschriften gibt.

Der heute legendäre, 1905 in La Spezia geborene und vor 19 Jahren in Rom verstorbene Klang-Esoteriker Giacinto Scelsi hatte während der Dreißigerjahre bei dem Schönberg-Schüler Fritz Klein studiert und sich daraufhin nach einer schweren Krise immer mehr von den Einschränkungen des abendländischen Tonsatzdenkens distanziert.

Er unternahm ausgedehnte Reisen durch Afrika und Asien und gelangte zu einem ganz neuen Verhältnis zur Musik. Dazu hatten ihn östliche Philosophien und Mystiken inspiriert, und zwar so intensiv, dass er sich schließlich nicht mehr als Komponist verstand, sondern als Medium mit Zugang zu transzendenten Sphären. Die Musikwissenschaft schreibt im Zusammenhang mit Scelsi von einer Musik, "deren sinnfälligstes Merkmal ein Gestus der Verweigerung ist" (Karl Dahlhaus). Mit seinem zweiten Konzert im Rahmen von [cross+depot] umarmt das Klangforum Wien diesen berühmten Verweigerer.

Zu hören sind neben dem Ritus Okanago das tieftönende Maknogan von 1976 und eines der wichtigsten Werke Scelsis für Kammerorchester, Anahit aus dem Jahr 1985. Weiters wird noch eines der letzten Stücke des Klangmagiers gegeben, Mantram (1987), das er zusammen mit dem Kontrabassisten Stefano Scodanibbio erarbeitet hat.

Außerdem gibt es noch Quattro pezzi für Trompete solo und To the master für Klavier und Violoncello. (ploe, DER STANDARD/Printausgabe, 31.07.2007)

>> "Giacinto Scelsi" im Semperdepot, 9. 8., 21.00
  • Der Griff in die Sphären einer Musik, die sich allen Analysen entzieht: Das Klangforum spielt Scelsi.
    foto: prieler

    Der Griff in die Sphären einer Musik, die sich allen Analysen entzieht: Das Klangforum spielt Scelsi.

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