"Die Kunst, die alte Sau, und der weiße Hase"

26. Juli 2007, 16:02
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"Nichtkunst"-Schau mit Stofftieren des Berliners Spielzeugfabrikanten Balavat in Wiener Galerie

Wien - Der Mann, der aus Stofftieren Kunst macht - so wurde der Berliner Balavat einmal beschrieben, doch Kunst ist ein Wort, mit dem er nicht viel anfangen kann. Als "Nichtkunst" bezeichnet Balavat seine zumeist dreidimensionalen Werke, die bis 24. August in der Wiener Galerie mel contemporary zu sehen sind. Seine teils kindlichen, teils ordinären, stilistisch zwischen Surrealismus und Pop-Art schwebenden Bilderwelten, wurden dafür unter dem Titel "Die Kunst, die alte Sau, und der weiße Hase" zusammengefasst.

"Supra-Avantgarde wie das Licht von oben"

Neben einem großen Haufen kleiner Spielzeugfiguren - ein Spielzeugbetrieb stellt auch die Haupteinkommensquelle von Balavat dar - finden sich auf den Bildern tatsächlich vor allem Stofftiere, viel Glitter und Goldsterne, und dann auch fast schon konkrete Geschichten. Ein Stoffwildschwein mit Messer und Gabel im Rücken rennt einmal vor einer riesigen Polizeiflotte davon, während im Hintergrund Dutzende Mini-Köche auf das leckere Essen warten. Und ein anderes Mal träumt ein Tiger-Pärchen unter dem Sternenhimmel von der Liebe und dem künftigen gemeinsamen Leben - in das auch der Alltag wieder einziehen wird, dargestellt von einem Laib Brot, der statt des Mondes am Himmel steht.

Sich selbst inszeniert Balavat als schrullig-pragmatischen Philosophen mit großen Visionen und einer goldenen, wie ein Blitz geformten Anstecknadel am Revers. Bei einem Pressegespräch im Vorfeld der Schau behauptete der immerhin schon 70-Jährige, dass er die "Supra-Avantgarde wie das Licht von oben" empfange. Was zu Beginn religiös anmutet, äußert sich bald eher als ein Spiel mit Gutgläubigen: Er wolle dem Kitsch den Kitsch entnehmen, so Balavat, in der Galerie werde man "Fußspuren eines geistigen Experiments an sich selbst" entdecken. Das "allwissende Kind" - was das Sanskrit-Wort Balavat bedeutet - liebt scheinbar das Theatralische, Spektakelhafte.

In Kassel am anderen Stadtende

In Kassel war Balavat vor fünf Jahren und auch heuer - jeweils parallel zur documenta - am anderen Ende der Stadt in der Treppenstraße zu Gast, was offenbar zu großer Aufmerksamkeit geführt hat. Über die documenta selbst verliert der Berliner jedoch kein gutes Wort: Die Weltkunstausstellung sei "auf Volkshochschul-Niveau niedergeschraubt" und "bewusst flach gehalten", um für möglichst viele Leute interessant zu sein. Auf jeden Fall gebe es bei der documenta schon lange "nichts Neues, nichts Revolutionäre" mehr. Das kann man aber von seiner "Nichtkunst" auch nicht gerade behaupten, auch wenn er sein Werk mit dem schönen Spruch "Geist ist geil" umschreibt. (APA)

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  	"Die Kunst, die alte Sau, und der weiße Hase"
    foto: mel art / balavat

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