Ratlose Republikaner wollen warten

30. Juli 2007, 14:06
15 Postings

Kein Favorit in der "Grand Old Party"

Washington – Richard Brown steht die Ratlosigkeit ins Gesicht geschrieben. Soeben hat Rudy Giuliani zu handverlesenen Republikanern in Vienna, einer Satellitenstadt im Speckgürtel Washingtons, gesprochen. Brown, ein Pensionist, ist zu höflich, um den Kandidaten direkt zu kritisieren. Er sagt es so: "Mal sehen, ob Newt Gingrich doch noch aus der Deckung kommt. Und Fred Thompson. Warten wir ab, es ist ja noch Zeit."

Tatsächlich gehen bis zu den ersten Vorwahlen noch fast sechs Monate ins Land. Erst in 16 Monaten sind die Amerikaner aufgerufen, ihren 44. Präsidenten zu wählen. Aber wer genau hinhört, kann schon jetzt leise Verzweiflung in den Reihen der republikanischen Partei vernehmen.

Die Grand Old Party sucht händeringend den richtigen Mann – dass es eine Frau sein wird, scheint ausgeschlossen. Vielleicht wird sich ihr blasses Aufgebot noch steigern. Aber im Augenblick sind es Hillary Clinton und Barack Obama, die der Kampagne klar ihren Stempel aufdrücken. Folgt man Umfragen, möchte ein Viertel der Anhänger der Republikaner überhaupt keinem Kandidaten den Zuschlag geben. Erst dann folgt Giuliani, mit Zustimmungswerten von 21 Prozent, einem Minus von 14 Prozent gegenüber März.

Kritik an Giuliani

Mitreißen konnte der "Bürgermeister Amerikas", wie sie ihn seit 9/11 nennen, noch nicht. Beim wichtigsten Thema, dem Irakkrieg, wiederholt er die Durchhalteparolen von George W. Bush. Das belastet seine Kampagne, zumal zwei Drittel der Amerikaner den raschen Abzug fordern. Zu allem Überfluss haben nun auch die New Yorker Feuerwehrleute begonnen, am Denkmal des Helden von 9/11 zu kratzen. Hätten ihre Funkgeräte funktioniert, hätten viele nicht sterben müssen, meint ihre Gewerkschaft. So aber habe die Order, das World Trade Center wegen Einsturzgefahr zu verlassen, die Trupps nicht erreicht. Giuliani sei das Problem bekannt gewesen, unternommen habe er nichts.

2004 gewann Bush die Wahl maßgeblich auf evangelikale Christen gestützt. Gut 20 Prozent der Wähler stimmten vor allem deshalb für den Texaner, weil sie keine Kultur wollten, die religiöse Symbole aus öffentlichen Räumen entfernte und homosexuelle Verbindungen und Abtreibungen akzeptierte. Giuliani kann wenig anfangen mit dieser Gruppe. Er verteidigt das Recht auf Abtreibung und hat nichts gegen schwule oder lesbische Partnerschaften. Verheiratet ist er bereits mit der dritten Frau.

Besser behauptet sich der telegene Mitt Romney, ganz der Typ netter Schwiegersohn. Nachdem er als Banker ein Vermögen scheffelte, rettete er die Olympischen Winterspiele in Salt Lake City, indem er im Organisationskomitee die Zügel straff zog. Doch als Mormone muss er sich tief sitzender Vorurteile erwehren. Zudem stellen ihn Kritiker als Wendehals hin, der sein Fähnlein nach dem Wind hängt.

Joker könnte Fred Thompson sein, ein Ex-Senator, der in der TV-Serie "Law & Order" einen Staatsanwalt spielt und hofft, seine Popularität auf die Politik übertragen zu können. Kaum jemand weiß, wofür der Zweimetermann steht. Vielmehr ist es eine vage Sehnsucht, die die Vorschusslorbeeren für ihn erklärt. Der letzte Schauspieler, der ins Weiße Haus einzog, war Ronald Reagan – aus Sicht der Republikaner einer der besten US-Präsidenten. (fh/DER STANDARD, Printausgabe, 25.7.2007)

Share if you care.