US-Aktienmärkte: Strategie August '07

26. Juli 2007, 13:16
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Der Markt hat auf die Probleme im Immobiliensektor reagiert, die Anleger machen sich derzeit keine großen Sorgen - eine Analyse von Christian Marchner

Am 19. Juli schloss der Dow Jones erstmals in seiner Geschichte über der Marke von 14.000 Punkten und setzte damit eine vier Monate dauernde Rallye fort, die angetrieben wurde durch Übernahmen, gute Unternehmensgewinne und Aktienrückkaufprogramme. Offenbar machen sich die Anleger derzeit keine großen Sorgen, obwohl die steigende Zahl der Not leidenden Immobilienkredite, die hohen Energiepreise und die straffen Zinsen durchaus Anlass zum Nachdenken geben könnten.

Atempause für Staatsanleihen

Tatsache ist allerdings, dass der Markt auf die Probleme im Immobiliensektor (Stichwort: zweitklassige Hypothekarkredite oder subprime mortgages) mit erhöhter Volatilität reagiert hat, das heißt, die Ausschläge in beide Richtungen sind größer geworden. Im Gegenzug haben die Turbulenzen rund um die subprime mortgages den Staatsanleihen eine Atempause verschafft. Die Renditen auf 10-jährige US-Treasuries sind erstmals seit zwei Monaten wieder unter fünf Prozent gefallen, da die Anleger die erhöhte Sicherheit der Staatsanleihen zuletzt verstärkt gesucht haben.

Für das heurige Jahr wurde von den Analysten ein deutlicher Rückgang in der Gewinndynamik erwartet, bis jetzt ist es dazu aber nicht wirklich gekommen. Die Unternehmensergebnisse sorgen immer wieder für positive Überraschungen, unterstützt einerseits durch den schwachen Dollar, der heuer gegenüber dem Euro fast 5 Prozent abgegeben hat. Damit werden amerikanische Exporte im Ausland billiger, und die internationalen Erträge der US-Firmen werden aufgefettet. Außerdem übertrifft das Wachstum der US-Wirtschaft immer wieder die Erwartungen, was ebenfalls günstig auf die Ertragslage der Firmen wirkt. Bis dato (20. Juli) weisen die vorgelegten Zahlen der Unternehmen im S&P ein Gewinnwachstum von 8,1 Prozent im zweiten Quartal auf, vor Beginn der Berichtsaison waren die Schätzungen bei 4,6 Prozent gelegen.

US-Privatanleger setzen auf internationale Fonds

Rückenwind erhält der Aktienmarkt weiterhin von der Welle an Übernahmen, die noch keine wirklichen Ermüdungserscheinungen zeigt. Im ersten Halbjahr haben Private-Equity-Fonds Übernahmen im Wert von 326 Mrd. Dollar angekündigt, verglichen mit einem Volumen von 139 Mrd. im selben Zeitraum 2006. Der schwache Dollar hat mittlerweile den amerikanischen Privatanleger bereits dazu bewogen, mehr Geld in internationale Fonds zu stecken, da die Aufwertung der anderen Währungen die Rendite zusätzlich erhöht. In den ersten sechs Monaten des heurigen Jahres haben US-Privatanleger "nur" 19 Mrd. Dollar in heimische, also US-Aktienfonds investiert. In internationale Fonds flossen hingegen 84 Mrd. Dollar.

Fazit: Vor allem stehen also im Moment neben den Unternehmensergebnissen die Finanzierungskosten im Mittelpunkt des Interesses. Durch die Probleme bei den subprime mortgages steigen die Risikoprämien für alle Unternehmensanleihen, auch die Private-Equity-Fonds können ihre Finanzierungen nicht mehr ganz so mühelos aufstellen wie noch vor kurzem. Insofern erklärt sich auch das schlechte Abschneiden der Finanzdienstleister. In den letzten vier Wochen waren die drei schwächsten Werte im Dow allesamt Finanztitel. Innerhalb unserer Aktienquote bleiben wir in US-Aktien untergewichtet, vor allem auch weil der schwache Dollar die Performance für den Euro-Anleger belastet.

Der Autor ist Analyst bei BA-CA Asset Management

Alle Angaben trotz größter Sorgfalt ohne Gewähr. Die Informationen beruhen auf Quellen, die wir für zuverlässig erachten. Eine Garantie für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit kann ebenso wenig übernommen werden wie für das Eintreten der Prognosen. Alle Meinungsaussagen geben lediglich die aktuelle Einschätzung der Autoren wieder, die sich ohne vorherige Ankündigung wieder ändern kann.
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