Ständige Begleiter unseres Körpers

28. April 2008, 13:50
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Jeder Mensch trägt Candidapilze in sich - Erst bei Immunschwäche werden diese zum Problem

Candidapilze sind Bestandteil der normalen mikrobiellen Haut- und Schleimhautflora und leben im Einklang mit dem Menschen, solange das Immunsystem kompetent genug ist, den Pilz daran zu hindern, sich ungehemmt zu vermehren.

Candidapilze sind Opportunisten

Candidapilze sind Opportunisten. Sie entfalten ihr krankmachendes Potenzial nur dann, wenn die friedliche Gemeinschaft der zusammenlebenden Mikroorganismen an irgendeiner Stelle des Körpers aus dem Gleichgewicht gerät. 80 bis 90 Prozent aller Hefepilzinfektionen beim Menschen werden durch Candida albicans hervorgerufen. Solange der Erreger nicht in die Blutbahn gerät, stellen Candidainfektionen in der Regel kein unlösbares Problem dar.

Grunderkrankungen Für Menschen, die an schweren Grunderkrankungen leiden, kann der Pilz jedoch akut lebensbedrohlich sein. "Die Anzahl invasiver Pilz-Neuerkrankungen bei abwehrgeschwächten Patienten nimmt seit den Siebzigerjahren massiv zu", berichtet Cornelia Lass-Flörl vom Institut für Hygiene an der Medizinischen Universität Innsbruck. Hauptverantwortlich für den Anstieg dieser so genannten endogenen Infektionen macht die Expertin die verbesserten medizinischen Behandlungsmöglichkeiten von Krebs, immer mehr immungeschwächte Patienten (wie etwa Organtransplantierte) und die allgemein höhere Lebenserwartung.

Potente Medikamente schwächen

"Körpereigene Keime können zum Problem werden, wenn das Immunsystem durch potente Medikamente wie Chemotherapeutika, Breitbandantibiotika und Immunsuppressiva geschwächt wird", erklärt Lass-Flörl. Die Quelle invasiver Pilzinfektionen ist hierbei meistens der von Hefepilzen besiedelte Magen-Darm-Trakt, der bei einem gesunden Menschen völlig ohne Relevanz ist. "Im Rahmen einer Knochenmarktransplantation tritt bei 25 Prozent der Patienten nach der Transplantation eine Pilzinfektion auf", sagt die Expertin und ergänzt, dass die Mortalität dieser Infektionen derzeit immer noch bei 40 Prozent liege. Ist die mikrobielle Flora auf der Darmschleimhaut einmal aus dem Gleichgewicht geraten, so gelingt es den Pilzen spielend, die Darmwand zu durchdringen und in das Blut zu gelangen.

Frühe Behandlung

"Therapeutische Optionen gibt es. Das Problem muss nur erkannt und auch frühzeitig behandelt werden", spricht Lass-Flörl die Schwierigkeit an, dass sich eine bakterielle Blutvergiftung klinisch nicht von einer Pilzsepsis unterscheidet. In beiden Fällen ist der Patient schwerkrank, und wenn die Pilzinfektion nicht ad-äquat behandelt wird, ist das Risiko, dass er an einem septischen Schock mit Multiorganversagen stirbt, groß. Früh erkennen, früh behandeln und Hochrisikopatienten prophylaktisch mit pilzwirksamen Medikamenten zu versorgen sei, so erklärt die Innsbrucker Expertin, der einzige Weg, um den Trend in Richtung invasive Hefepilzinfektionen aufzuhalten. (MEDSTANDARDARD, 23.07.2007, phr)

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    foto: medstandard, 23.07.2007/bbl
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