"OMV will Rivalen ausschalten"

11. September 2007, 19:27
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Der ungarische Ökonom Miklós Hegedûs geht davon aus, dass die Mol-Übernahme durch die OMV verhindert wird - wenn auch mit aktienrechtlich nicht ganz sauberen Mitteln

Mit dem ungarischen Wirtschaftswissenschafter sprach András Szigetvari.

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STANDARD: Die Budapester Regierung versucht, wichtige Firmen per Gesetz vor Ausverkauf zu schützen und damit die Mol-Übernahme durch OMV zu verhindern. Reiner Populismus?

Hegedûs: Die Angst, dass aufstrebende ungarische Firmen von ausländischen Investoren aufgekauft werden, ist begründet. Das ist kein ungarisches Phänomen. Mit dem geplanten Gesetz will die Regierung natürlich der breiten Masse zeigen, dass sie etwas für die Wirtschaft tut. Es würde aber nicht im Einklang mit dem europäischen Grundgedanken stehen und nur schwer mit dem Wettbewerbsrecht vereinbar sein.

STANDARD: Die vollprivatisierte Mol gehört längst ausländischen Investoren. Warum diese Angst vor OMV?

Hegedûs: Die Mol gilt im ungarischen Volksempfinden dennoch als traditionsreiche heimische Firma. Die derzeitigen Finanzinvestoren - US-Pensionsfonds - haben kein Interesse am Management. Sie sind an der Zahlung ihrer Dividende interessiert. OMV dagegen kommt aus der gleichen Branche; ihr geht es weniger um die Dividende als darum, einen ihrer größten Rivalen auf dem mitteleuropäischen Markt auszuschalten. Nach einem Kauf durch OMV wäre die Unabhängigkeit der Mol zu Ende. Und dann ist da auch das Problem, dass OMV unter Staatseinfluss steht.

STANDARD: Warum ist der öffentliche Einfluss bei der OMV so ein Problem?

Hegedûs: Nach ihrer Privatisierung ist die Mol von einem ärmlichen OMV-Nachbarn zu einem wettbewerbsfähigeren und flexibleren Unternehmen geworden als der schwerfällige österreichische Konkurrent. Nach einer OMV-Übernahme besteht die Angst, dass sich die Mol den strategischen Interessen Österreichs unterordnen muss.

Die ungarische Regierung hat obendrein gerade erst die Privatisierung weiterer Staatsunternehmen angekündigt, was die Opposition scharf angreift. Wird Mol aufgekauft, wäre das ein gutes Beispiel gegen Privatisierung.

STANDARD: Wird die Übernahme der Mol gelingen?

Hegedûs: Italien, Spanien und Frankreich haben die Übernahme wichtiger Firmen verhindert. Wenn die das konnten, wird das vermutlich auch für Ungarn gelten. Wenn auch vielleicht mit nicht ganz sauberen Mitteln, was das Aktienrecht oder die europäischen Wettbewerbsregeln anbelangt.

STANDARD: Also keine Übernahme?

Hegedûs: Auf lange Sicht werden sowohl OMV als auch Mol akzeptieren müssen, dass sie im Ölsektor über eine untergeordnete Rolle nicht hinauskommen, gemeinsam verfügen sie über ein Prozent des Weltmarkts. Beide Konzerne wären besser beraten, sich Weltkonzerne als Partner zu suchen.

STANDARD: Hat der Widerstand auch damit zu tun, dass Ungarn die Drehscheibe für den Erdgastransport übernehmen will? Ungarn bekundet Unterstützung für die Nabucco-Pipeline und die Verlängerung der russisch-italienischen Blue-Stream-Pipeline in die Türkei.

Hegedûs: Nein, auch wenn das unterstellt wird. Was Pläne betrifft, Zentrum der europäischen Gasversorgung zu werden, müssen wir unsere Rolle realistisch einschätzen. Die Zusage von Russlands Präsidenten Wladimir Putin, dass Ungarn als Zentrum der Erdgasverteilung fungieren soll, hat eher regionale Bedeutung. Aber Ungarn ist für Russland durch den Gasstreit mit der Ukraine interessant geworden. Da spielt die Strategie Russlands eine viel wichtigere Rolle als ungarische Wünsche. Noch sind das alles politische Planspiele. Nabucco wird seit über zehn Jahren diskutiert. Weder die Finanzierung ist geklärt, noch, woher das Gas kommen soll. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.7.2007)

Zur Person
Der Wirtschaftswissenschafter Miklós Hegedûs (69) leitet das private Budapester Energieforschungsinstitut GKI, das Konzerne wie Mol oder Eon berät.
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    Zwei kleine Hechte im globalen Öl-Meer: Gemeinsam bringen es die österreichische OMV und die ungarische Mol gerade einmal auf über ein Prozent im Weltmarkt. Bei einer Übernahme durch die OMV befürchtet der ungarische Energiekonzern, sich den strategischen Interessen der Österreicher unterordnen zu müssen.

  • Miklós Hegedûs

    Miklós Hegedûs

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