Deutsche Züge stehen erneut

23. Juli 2007, 13:23
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Die Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer sind gescheitert, der Konflikt eskaliert

Bahnreisende in Deutschland müssen sich auf harte Zeiten einstellen - und das ausgerechnet in der Hauptreisezeit. Am Donnerstag sind die Tarifgespräche zwischen der Deutschen Bahn und der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) endgültig gescheitert. Die GdL wird am Montag eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik einleiten, dessen Ergebnis sie für den 3. oder 6. August erwartet. Bis dahin soll nicht gestreikt werden. Dann aber wird es für die Deutschen vermutlich noch unangenehmer als es schon an zwei Vormittagen in der ersten Juli-Hälfte war: Zwei dreistündige Warnstreiks haben die Lokführer schon durchgeführt, bundesweit standen die Züge dabei still.

Die Chancen für eine Einigung am Donnerstag waren von vorne herein schlecht gestanden. Zu weit sind die Forderungen der beiden Kontrahenten auseinander. Die GdL fordert für ihre Lokführer einen eigenen Spartentarifvertrag und deutlich mehr Geld (bis zu 31 Prozent). Bahnchef Hartmut Mehdorn will den Lokführern aber nur 4,5 Prozent mehr und eine Einmalzahlung von 600 Euro geben. Diesen Gehaltsabschluss hat Mehdorn bereits mit den anderen beiden anderen Bahngewerkschaften (Transnet und Beamtengewerkschaft) erzielt. Und er hat die Lokführer aufgefordert, nicht "das ganze Land zu terrorisieren".

"Piloten der Schienen"

Doch es geht in diesem Konflikt nicht nur um Geld, sondern auch um Macht und Einfluss. Die GdL will die Gelegenheit nutzen und sich als eine Art Elite-Gewerkschaft etablieren, obwohl sie mit rund 34.000 Mitgliedern die deutlich kleinste der drei Bahngewerkschaften ist. Im Blick hat sie dabei Piloten und Ärzte. Diese haben sich ebenfalls von großen Interessenvertretungen abgespalten und kämpfen in kleinen, aber zum Teil recht durchsetzungsstarken Gewerkschaften für sich. So erstreikte die Pilotenvereinigung Cockpit etwa im Jahr 2001 nach der Absonderung gleich ein Gehaltsplus von 20 Prozent, während die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für Flugbegleiter nur fünf Prozent mehr herausholte. Ein ganztägiger Streik kostete die Lufthansa 75 Millionen Euro. Der Marburger Bund erreichte im Vorjahr einen eigenen Tarifvertrag für Ärzte - so wie es die GdL auch gerne hätte.

"Lokführer tragen hohe Verantwortung" argumentiert die GdL, wenn ihr Spaltung der Arbeitnehmer-Vereinigung vorgeworfen wird. Daher müssten Lokführer auch besser bezahlt werden als Zugbegleiter. Derzeit liegt das Einstiegsgehalt eines Lokführers bei 1970 Euro, er kann sich danach auf maximal 2142 Euro hocharbeiten. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.7.2007)

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    Die Gespräche sind gescheitert, am Montag leiten die Lokführer eine Abstimmung über unbefristete Bahnstreiks ein.

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