Inge Deutschkron erhält Carl-von-Ossietzky-Preis

18. Juli 2007, 12:08
1 Posting

Lebenswerk der Autorin stünde im Zeichen des fortdauernden Engagements gegen alle Formen des Rassismus, so die Jury

Oldenburg - Die deutsch-israelische Schriftstellerin und Journalistin Inge Deutschkron erhält den Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik der Stadt Oldenburg 2008. Mit diesem Preis werden Arbeiten oder Personen ausgezeichnet, die sich in herausragender Weise mit Leben und Werk Ossietzkys oder dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus befassen. Ossietzky starb als Nazi-Gegner 1938 nach erlittener KZ-Haft. 1936 erhielt er rückwirkend den Friedensnobelpreis für 1935, den er nach einem Verbot der Nazis nicht persönlich entgegennehmen konnte.

"Deutschkrons Lebenswerk steht im Zeichen des fortdauernden Engagements für Demokratie und Menschenrechte und gegen alle Formen des Rassismus", hieß es in der Begründung der Jury, die ihr Vorum einstimming fällte. Die niedersächsische Stadt vergibt den mit 10.000 Euro dotierten Preis alle zwei Jahre. Die Preisverleihung findet am Todestag Ossietzkys am 4. Mai statt.

Streitbare Mahnerin gegen das Vergessen

"Als Schriftstellerin ist es ihr gelungen, Erfahrungen der Verfolgung und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus einem großen Publikum eindringlich zu vermitteln", sagte die Sprecherin der Jury, die Literaturwissenschaftlerin und Vizepräsidentin der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Sabine Doering. "Im Eintreten für die 'stillen Helden', denen sie selbst ihr Überleben als Jüdin in Berlin im Dritten Reich verdankt, erinnert sie seit langem an Menschen, die Juden vor der Ermordung gerettet haben." Deutschkron sei eine streitbare Mahnerin gegen das Vergessen.

Vita

Inge Deutschkron wurde 1922 in Finsterwalde (Brandenburg) geboren und wuchs in Berlin auf. Die jüdische Familie wurde nach der Machtübernahme der Nazis 1933 verfolgt. Freunde versteckten schließlich sie und ihre Mutter, um sie vor den Deportationen zu schützen. Bis zur Befreiung am 8. Mai 1945 waren die beiden fast ständig auf der Flucht. Inge Deutschkron wanderte nach dem Krieg nach England aus, studierte dort vier Jahre und arbeitete danach im Londoner Büro der Sozialistischen Internationale.

1956 ließ sich Deutschkron in Bonn nieder und war zunächst als freie Journalistin tätig. 1958 wurde sie Deutschland-Korrespondentin der israelischen Zeitung "Maariv". Von 1972 bis zu ihrer Pensionierung 1987 arbeitete sie in der Redaktion in Tel-Aviv. 1988 kam die Autorin zur Vorbereitung des Theaterstückes "Ab heute heißt Du Sara" nach ihrer Autobiografie "Ich trug den gelben Stern" nach Berlin zurück, wo sie seit 2001 wieder wohnt. (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    "Im Eintreten für die 'stillen Helden', denen sie selbst ihr Überleben als Jüdin in Berlin im Dritten Reich verdankt, erinnert sie seit langem an Menschen, die Juden vor der Ermordung gerettet haben": Inge Deutschkron.
Share if you care.