Europas Architektur der Stille

18. Juli 2007, 21:55
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In Mauerbach wird das System der Kartäuserklöster erstmals umfassend präsentiert

Wien/Mauerbach - Inmitten der ärgsten Hitzewelle erlebt man sie zunächst einmal als Architektur der Kühle. Wer durch den weitläufigen Kreuzgang der Kartause Mauerbach schlendert, hat das große Schwitzen von draußen schnell vergessen - und dann gesellt sich zu den angenehmen Temperaturen die Stille. Denn dafür wurden diese Klostermauern schließlich errichtet: Sie wurden gebaut für das Schweigen.

Jetzt wurde in Mauerbach erstmals für das Publikum umfassend aufgearbeitet, dass diese "Architektur der Stille" europaweit nach einem offenbar bewährten Konzept geschaffen wurde - die Voraussetzung dafür, dass die Schweigeorden der Kartäuser als eine Gemeinschaft von Einsiedlern leben konnten. "Ob die Kartausen nun an ein Benediktinerstift angebaut wurden oder neben einem Wasserschloss: Es finden sich immer ein großer Kreuzgang mit angebauten Kartäuserzellen und Gärten - in allen Variationen", erläutert Kuratorin Astrid Huber.

Kartausen dokumentiert

Zu sehen ist dies auf insgesamt 36 Gemälden, auf denen die Kartäuserklöster Mitte des 18. Jahrhunderts festgehalten wurden - von Spanien bis Weißrussland. "In dieser Ausstellung können wir erstmals den kompletten Zyklus vom Stift Klosterneuburg präsentieren", betont Huber - und neben diesen 35 Gemälden wurde dann noch zufällig im Zuge der Recherchen eine weitere Abbildung in Brünn entdeckt, die offensichtlich aus genau dieser Serie stammt. Offensichtlich hatte es damals den Plan gegeben, alle 170 Kartausen in Europa zu dokumentieren.

Nach Themen gruppiert wird nun rund um diese Abbildungen aufgearbeitet, wie dieses System rund um jeweils nur zwölf oder 24 schweigende Mönche funktionieren konnte. Seien es nun die Stifter - zumeist Herrscher, die sicherstellen wollten, dass ordentlich für sie gebetet wurde. Oder sei es das Landwirtschafts- und Wirtschaftssystem im Umfeld oder die Handwerkskunst, die hier gepflegt wurde. Ist bei manchen Kartausen - wie auf dem Gemälde der Kartause Mauerbach - ein Schildkrötenteich zu sehen, so ist dies auch ein Dokument für die strengen Fastenregeln der Mönche: Schildkröten waren eine beliebte Fastenspeise. Auch mussten die Mönche mehrmals im Jahr zur Ader gelassen werden - in einem Buch ist dargestellt, an welchem Körperteil zu welcher Sternenkonstellation gestochen werden sollte.

Zum Abschluss dann noch die "Nachnutzung" der Anlagen nach der Auflösung der Klöster. Oft wurden es Armen- und Siechenhäuser, wie etwa auch die Kartause Mauerbach. Manchmal wurden sie auch als Kasernen genutzt - im weißrussischen Bereza wurden die heiligen Mauern sogar als KZ missbraucht.

Kommenden Samstag kann ein Besuch der Ausstellung in Mauerbach auch mit einem Konzertbesuch kombiniert werden: Ab 18 Uhr erklingen im Kaisergarten Arien und Sonaten von Bach. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 18.7.2007)

"Silentium - Architektur der Stille",
Kartause Mauerbach, Do, So und feiertags jeweils 10-18 Uhr, bis 28. Oktober
  • Die historische Ansicht der Kartause Mauerbach - rechts oben kann man den Teich der Schildkröten erkennen, die als Fastenspeise dienten
    foto: bda

    Die historische Ansicht der Kartause Mauerbach - rechts oben kann man den Teich der Schildkröten erkennen, die als Fastenspeise dienten

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