25-Jährige soll Säugling nach Geburt erstickt haben

24. Juli 2007, 20:33
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Polizisten fanden totes Baby in Bettlade - Schwangerschaft geheim gehalten - Angst vor Überforderung als mögliches Motiv

Nachdem eine 25-jährige Frau am Montagabend in Wien-Donaustadt ein Baby selbst entbunden hatte, soll sie das neugeborene Mädchen erstickt und in einem Polsterüberzug versteckt haben. Das Motiv für die Tat ist rätselhaft. "Sie hat die Schwangerschaft geheim gehalten", sagte Oberstleutnant Horst Zeilinger vom Kriminalkommissariat Nord gegenüber der APA. Auch wer der Vater des toten Säuglings ist, ist unbekannt.

Die junge Frau, die bereits zwei Kinder hat, hat gemeinsam mit ihren Eltern und Großeltern in einem Familienhaus gewohnt. Die junge Wienerin dürfte womöglich große Angst vor den Folgen der Entbindung gehabt haben. "Die Mutter hat sie immer wieder darauf angesprochen, aber sie hat das vehement bestritten", so Zeilinger.

Am Montagabend dürfte die 25-Jährige in ihrem Zimmer das Kind selbst entbunden haben. "Die Mutter hat die Schreie gehört", sagte Zeilinger. Als sie nachschaute, fand sie die junge Frau stark blutend. "Sie hat geglaubt, sie hat Unterleibsblutungen und die Rettung gerufen", so der Ermittler.

Im SMZ-Ost bemerkten die Ärzte, dass die Frau kürzlich entbunden haben muss und verständigten die Polizei. In dem Zimmer der jungen Frau fanden die Beamte schließlich blutige Handtücher in einer Bettlade und in einem Polsterüberzug den Säugling. Der Rettungsdienst konnte nur mehr den Tod des Kindes feststellen. Die 25-Jährige wurde daraufhin verhaftet, die Leiche des Babys in die Gerichtsmedizin gebracht. Auch wer der Vater des toten Mädchens ist, ist unklar.

Angst als mögliches Motiv

Dass die Frau die Schwangerschaft auch auf mehrmaliges Nachfragen ihrer Mutter verheimlicht hat, weise darauf hin, dass die 25-Jährige die Tat nicht aus akuter Überforderung in einer Kurzschlussreaktion verübt haben dürfte, sondern aus "realen Gründen" gehandelt haben könnte, meinte Cornel Binder-Krieglstein, Psychologe im Berufsverband der Psychologen (BÖP), im APA-Gespräch.

So könnten etwa aus ihrem Umfeld zuvor Andeutungen gemacht worden sein, dass eine erneute Schwangerschaft nicht erwünscht sei und diese "Konsequenzen" für die 25-Jährige haben könnte. Oder die junge Mutter könnte Angst davor gehabt haben, dass mit einem Säugling ihr Leben aus den Fugen gerät, vermutete der Experte. Wer eine Schwangerschaft verheimlicht habe "nicht zwingend" die Tötung des Babys nach der Geburt geplant, meinte der Notfallpsychologe.

"Babyklappen-Hotline"

Babyklappen dürften Schwangeren in Notsituationen scheinbar keine Hilfe sein, meinte er. Die Einrichtungen, die wenig genutzt würden, seien nicht an deren Bedürfnisse angepasst: So haben die Frauen keine Möglichkeit, zuvor anonym über ihr Problem zu sprechen oder Auskünfte einzuholen, kritisierte Binder-Krieglstein. Andere, bereits vorhandene Beratungsangebote "dürften Mütter nicht anzusprechen". Der Psychologe riet daher zu einer "Babyklappen-Hotline". (APA)

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