Der Unbeirrbare

11. Juli 2007, 20:03
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Er hatte keine Lobby, er war ziemlich allein

Leon Zelman konnte auf die Nerven gehen. Mit seinem Plan für ein "Haus der Geschichte" im Ring-Palais Epstein. Mit seiner Insistenz, mit der er in Israel und den USA das Bild eines gewandelten Österreich zeichnete, gleichzeitig aber darauf bestand, dass zumindest das offizielle Österreich diesen Vertrauensvorschuss auch rechtfertigte. Zelman ließ die kleinen und großen Bagatellisierungs- und Vertuschungsaktionen der Politik gegenüber NS-Gedankengut nicht durchgehen.

Er hatte keine Lobby, er war mit vielen, die eigentlich Verbündete hätten sein sollen, zerstritten, er war ziemlich allein. Seine "Macht", mit der er die österreichische Normalpolitik immer wieder zu Gesten und einer halbwegs moralischen Grundhaltung zwang, beruhte auf seiner Energie, seiner Fähigkeit, auf die Nerven zu gehen. Seine größte Leistung war aber vielleicht nicht so sehr das, was er bei den Mächtigen erreichte, sondern seine unermüdliche Zeitzeugenschaft. Wenn nur ein Dutzend jener tausenden Schüler, denen er aus seiner Kindheit und Jugend im KZ erzählte, immun wurde gegen die Politik des Hasses, dann war Leon Zelmans Leben, das nun endete, ein strahlender Erfolg. (DER STANDARD, Print, 12.7.2007)

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