Porträt Leon Zelman: Versöhner ließ bis zum Schluss nichts kalt

11. Juli 2007, 12:19
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Gründer des "Jewish Welcome Service" überlebte Auschwitz und Mauthausen

Wien - Kalt gelassen hat Leon Zelman auch knapp vor seinem Tod nichts. Als SPÖ-Klubobmann Josef Cap auf Jugendbilder von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache bei "wehrsportähnlichen Übungen" kalmierend reagiert hatte, drohte Zelman mit der letzten Konsequenz: Dem Parteiaustritt. Dem "sozialdemokratischen Urgestein" Zelman lag der Einsatz für die Versöhnung von den Nazis vertriebener Juden mit ihrer früheren Heimat immer näher als jener für eine Partei. Der Leiter des Jewish Welcome Service ist bis zum Schluss doch nicht aus der SPÖ ausgetreten.

Einsatz für die Jugend

Zelmans Engagement endete nicht bei öffentlicher Empörung wenn wieder einmal antisemitische Töne laut wurden. Sein Einsatz galt insbesondere der Jugend, die Zelman immer wieder aufforderte, an die Wahlurnen zu gehen. Auch in Diskussionen um das in den vergangenen Tagen wieder ins Gespräch gekommene "Haus der Geschichte" mischte er sich immer aktiv ein. Sein Vorschlag: Ein "Haus der Toleranz" im Palais Epstein. Der Kampf dafür blieb ohne Erfolg.

"Ich glaube nicht, dass es stimmt", kommentierte er seinen 70. Geburtstag. Eigentlich sei er zwei Jahre jünger, habe sich aber in der NS-Zeit im Konzentrationslager als älter ausgeben müssen. Im Reisepass jedenfalls war der 12. Juni 1926 als Geburtsdatum vermerkt. Sein Vater starb 1939 nach dem Einmarsch der deutschen Armee, welche die Stadt wegen ihrer strategischen Bedeutung besetzte. Mit seiner Mutter und seinem Bruder kam Zelman nach Lodz, wo er 1940 ins Getto überstellt wurde.

Stationen eines Leidenswegs

1942 starb auch die Mutter, und Zelman wurde mit dem Bruder 1944 zuerst in das KZ Auschwitz, dann in die Lager Falkenberg und Wolfsberg verlegt, wo sein um ein Jahr jüngerer Bruder starb. In dieser Zeit machte sich Zelman auch um zwei Jahre älter, um arbeiten und somit überleben zu können. Nach dem Krieg gab es keine anderen Dokumente, weshalb sein fälschliches Alter sein offizielles wurde. Die letzten Stationen des Leidenswegs waren Mauthausen und Ebensee, wo Zelman am 6. Mai 1945 von den Amerikanern befreit wurde. In seinen 1995 erschienen Erinnerungen berichtete er, damals 178 Zentimeter groß gewesen zu sein und 38 Kilo gewogen zu haben.

Verhinderter Auswanderer

Nach Aufenthalten im Spital und zur Erholung kam Zelman 1946 nach Wien. Eigentlich hätte er nach Amerika auswandern wollen. Er hatte aber offene Tuberkulose, weshalb ihm dieser Weg versperrt blieb. Er besuchte die Maturaschule, 1954 schloss er sein Studium der Zeitungswissenschaften mit der Sponsion ab. In seinen Studienjahren war er 1949 bis 1952 Sozialreferent der Vereinigung Jüdischer Hochschüler, 1953 bis 1959 stand er dieser Organisation als Präsident vor. 1951 war Zelman außerdem Mitbegründer der Zeitschrift "Jüdisches Echo", der er verstärkt einen internationalen Anstrich gab.

Auszeichnungen

1963 begann Zelman die Israel-Abteilung des Österreichischen Verkehrsbüros aufzubauen. Ende 1980 schließlich gründete er mit Unterstützung des Wiener Stadtrates Heinz Nittel das "Jewish Welcome Service" (JWS), um sich jener Menschen anzunehmen, die vertrieben worden waren und nun ihre Heimatstadt wieder besuchen wollten. Als persönlichen Beweggrund für die Schaffung des "Jewish Welcome Service" nannte Zelman immer zahlreicher werdende Kontakte mit aus Österreich vertriebenen Menschen, die wieder Verbindung mit dem Land aufnehmen wollten. "Ich habe gespürt, dass diese Menschen ihre alte Heimat erleben wollten."

In seinen letzten Lebensjahren wurde Zelman regelrecht mit Auszeichnungen überhäuft. So erhielt er das "Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich", den Menschenrechtspreis des "Rabbinical Center of Europe", den Ehrenring der Stadt Wien, den Concordia-Ehrenpreis für sein Lebenswerk und das Goldene Doktordiplom der Universität Wien. (APA)

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