Olympiasieger, vom Winde verweht

30. Juli 2007, 10:03
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Die erfolgsverwöhnten Segler Österreichs enttäuschen vor Cascais - Als doppelte Tornado-Olympiasieger müssen Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher gar um die Olympia-Quali für 2008 bangen

Cascais/Wien - Ein einziges Top-Ten-Ergebnis in acht Wettfahrten, am Ende Rang 20, die erste Limit-Chance für Olympia 2008 vergeben. Kein Wunder, dass Roman Hagara am Montag während der Heimreise aus Portugal am Grübeln war. "Vielleicht wäre mehr Regatta-Training besser gewesen", sagt er. Freilich wurde schon zuletzt alles der Saison 2008 untergeordnet, Steuermann Hagara und Vorschoter Hans Peter Steinacher wollten vor allem eines: sich an die Bedingungen im Olympia-Revier Qingdao gewöhnen. "Dass wir uns in Athen und Sydney am besten ausgekannt haben", sagt Hagara, "war unser großer Trumpf." Jetzt allerdings droht der Schuss nach hinten loszugehen. "Denn jetzt müssen wir erst einmal hinkommen nach Peking."

Qingdao und Cascais boten, sagt Hagara, "völlig konträre Bedingungen". Leichtwind, wie ihn die Österreicher lieben, herrschte in China, Starkwind in Portugal. Pech kam bei der WM hinzu, einmal brach das Ruderblatt, dann wurden zwei Regatten abgebrochen, bei denen Hagara/Steinacher im Vorderfeld lagen. Elf Nationen lösten vor Cascais bereits Olympia-Tickets, doch die Österreicher lagen in der bereinigten Wertung nur an 14. Stelle. "Das Feld", sagt Hagara, "ist schneller geworden. In den Top Ten waren acht verschiedene Länder."

Bei der nächsten WM im Februar 2008 vor Auckland, Neuseeland, qualifizieren sich vier weitere Länder für Olympia. Hagara wollte diese WM ursprünglich "nicht mehr so wichtig nehmen", nun muss er aber. Sieben bis acht Länder werden um die vier Tickets segeln, vor Auckland weht's um diese Jahreszeit üblicherweise auch recht heftig. "Auf dem Papier schaffen wir es trotzdem locker", sagt Hagara. "Aber passieren kann schnell etwas." Die Österreicher sitzen derzeit quasi in drei Booten. Mit einem kehren sie soeben aus Portugal zurück, das zweite liegt daheim, das dritte schon in China. Jedes Boot, jeder Mast, jedes Segel reagiert unterschiedlich, es gilt die ideale Mischung zu finden.

Angesichts der Tatsache, dass Hans Spitzauer/Christian Nehammer (Starboot) ein ähnliches WM-Geschick wie Hagara ereilte und auch dem Olympia-Zweiten Andreas Geritzer (Laser) viel zur WM-Spitze fehlt, muss sich Georg Fundak, Sportkoordinator im Segelverband (OeSV), nach Fehlern in der WM-Vorbereitung fragen lassen. "Man muss die WM vorsichtig betrachten", sagt er. "Ich sehe kein Problem, auch bei den Tornados nicht. Sie haben nur ein Ziel, sie wollen die dritte Olympia-Medaille. Dafür nehmen wir auch das WM-Ergebnis in Kauf."

Delle-Karth/Resch gut

Laut Fundak befinden sich OeSV-Boote in sieben Klassen, "mehr denn je zuvor", in ernsthafter Olympia-Vorbereitung. Bei der WM geben speziell Nico Delle-Karth/Niko Resch (49er), die am Montag ihren zweiten Wettfahrtsieg landeten, zu Hoffnungen Anlass. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 11.7. 2007)

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