Direktorin des Technischen Museums: "Unser Zu(g)bau ist gestorben"

16. Juli 2007, 12:28
20 Postings

Bereits zugesagte Gelder werden nun an andere Museen verteilt - Zuna-Kratky: "So etwas noch nie erlebt" - 100-Jahres-Feier des Museums dennoch mit restaurierten Lokomotiven

Wien - Gabriele Zuna-Kratky, die seit dem Jahr 2000 amtierende Direktorin des Technischen Museums, hat so einen Vorgang "noch nie erlebt": Das Geld, das ihr für die Errichtung eines "Zu(g)baus" zur Unterbringung von Lokomotiven vom Ministerium vor zwei Jahren zugesagt wurde, wird ihr wieder weggenommen und an andere Museen verteilt. "Unser Zu(g)bau ist gestorben", sagt Zuna-Kratky im Gespräch mit der APA.

"Ich habe im Jahr 2005 ein Schreiben vom Ministerium bekommen, dass unser Plan umgesetzt werden soll und dass die zugesagten zehn Millionen Euro in Tranchen überwiesen werden. Damit hatte ich seit einiger Zeit eine ziemliche Planungssicherheit", schildert die Direktorin, deren Vertrag von der damaligen Ministerin Elisabeth Gehrer (V) knapp vor den Wahlen bis Ende 2014 verlängert worden war. Als Grund für die frühzeitig erfolgte Verlängerung wurden die anstehenden Großprojekte zum 100-Jahr-Jubiläum des Museums im Jahr 2009 (am 20.6.1909 erfolgte die Grundsteinlegung) genannt. Der Zu(g)bau, der bis Ende 2009 hinter dem IMAX-Kino errichtet werden sollte, war das größte Jubiläumsprojekt.

"Seit Ende 2005 haben wir daran gearbeitet und zunächst die Lokomotiven restaurieren lassen." Für 1,5 Mio. Euro hat man nun restaurierte Loks, doch kein Geld mehr für die geplante Unterbringung. Zuna-Kratky: "Vor drei Monaten haben alle Direktoren dem Ministerium ihre Pläne, Kalkulationen und Projektstände vorgestellt. Bei uns wurde ein Projektstopp angeordnet. Seit gestern habe ich den Brief im Händen, dass das Projekt abgebrochen wird."

In Subventions-Zusage-Briefen gibt es stets einen Passus, der sich mit dem Verweis "nach Maßgabe der budgetären Mittel" eine Hintertüre offen hält. Diesmal sind die Mittel zwar offenbar vorhanden, sie werden aber anders eingesetzt. "Wenn der kulturpolitische Auftrag sich geändert hat, ist das die Entscheidung des Hauptgeldgebers", sagt die Direktorin. "Wenn andere Schwerpunkte gesetzt werden, dann ist das zu akzeptieren."

Zum 100-Jahr-Jubiläum werden die restaurierten Loks dennoch in das Museum zurückkehren. Voraussichtlich werden sie gegen andere Großobjekte der Dauerausstellung getauscht. "Ein Museum ist ja in ständiger Entwicklung", so Zuna-Kratky. Jene Lokomotiven, die noch unter Dampf gesetzt werden und fahren können, sind mittels Leihvertrag an die ÖBB zurückgegangen und werden in deren Projekt "ErlebnisWeltBahn" eingebunden. Mit deren Verantwortlichen habe man die besten Erfahrungen, voraussichtlich werde es daher auch für jene Teile des nicht mehr fahrbaren Materials, die keinen Platz im Technischen Museum finden, eine Lösung mit der ÖBB geben.

Trotz dieses schweren Dämpfers hofft die Direktorin unverändert, bei den kommenden Verhandlungen über die Verteilung der ab 2008 zusätzlich zu vergebenden sechs Millionen Euro an Bundesmuseen-Basisabgeltung für das Technische Museum etwas herausholen zu können: "Da ordnen wir uns auch ein in die Reihe derer, die sagen, seit dem Beschluss der Basisabgeltung ist alles erheblich teurer geworden." 11,3 Mio. Euro habe man jetzt, weitere 1,9 Mio. Euro wären zusätzlich notwendig, um Gehaltssteigerungen und Teuerungen auffangen zu können. Zuna-Kratky: "Ich bin sehr zuversichtlich." (APA)

>>>Kein Lokschuppen, viel Geld fürs KHM
Der Kultursprecher der Grünen, zeiht Claudia Schmied der Entscheidungsschwäche - Gegenüber dem STANDARD präsentiert sie ihr Programm für die Bundesmuseen 2009
Share if you care.