Logistisch umdenken

4. Juli 2007, 15:24
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Die UBM war einer der ersten österreichischen Bauträger, die in Osteuropa aktiv wurden. Vorstand Karl Bier im STANDARD-Gespräch

Die Renditen für Bürofächen haben in Osteuropa bereits fast westliches Niveau erreicht. Doch die UBM hat umgedacht: mit Logistikzentren. Mit Vorstand Karl Bier sprach Gerhard Rodler.

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STANDARD: Die Renditen für Büroimmobilien haben in Osteuropa bereits nahezu westliches Niveau erreicht - und sie sinken noch immer. Ist das jetzt das Ende des Ostpioniers UBM, oder flüchten Sie nun in den Westen?

Karl Bier: In Westeuropa sind wir schon längst aktiv - beispielsweise in Frankreich, in Deutschland, in der Schweiz und nicht zuletzt in Österreich. Wir müssen also nicht erst flüchten, sondern haben hier vielfältige und erfolgreiche Aktivitäten. Aber nun zum Kern Ihrer Frage: Ich stimme nicht damit überein, dass Osteuropa jetzt plötzlich uninteressant ist. Im Gegenteil! Da wir in diesen Ländern bisher nur wenige Immobilien veräußert haben, können wir diese nunmehr zu deutlich höheren Preisen verkaufen.

STANDARD: Die Renditen fallen unaufhörlich. Wozu also investieren?

Bier: Erstens fallen die Renditen nicht überall so rapid, und zweitens bezieht sich das ausschließlich auf Büroimmobilien. Ein extrem attraktives Geschäftsfeld sind für uns derzeit Logistikzentren - hier besteht noch großer Nachholbedarf. Zurzeit entwickeln wir in der Slowakei rund um Bratislava und Kosice über eine Million Quadratmeter. In Bukarest errichten wir einen 50.000 Quadratmeter großen Logistikpark, dessen erste Baustufe im 2. Halbjahr fertig wird. Und auch in Kroatien, genauer gesagt in der Nähe von Zagreb, haben wir bereits einen Grund für ein Logistikcenter gekauft.

STANDARD: Was tut sich mit der Logistik in Westeuropa? Um Ihren angekündigten Logistikpark in Frankreich ist es still geworden.

Bier: Das stimmt. Aufgrund des großen Interesses - und das in einem extrem frühen Stadium, sozusagen noch vor Baubeginn - konnten wir den Logistikpark ertragreich weiterverkaufen. Im Übrigen errichten wir jetzt auch in der Schweiz ein Logistikprojekt, das langfristig an die DHL vermietet ist. In anderen Ländern, beispielsweise in Serbien, sind wir nun auf der Suche nach einer geeigneten Liegenschaft.

STANDARD: Wollen Sie regional wachsen?

Bier: Ja, das wollen wir. Derzeit sind wir in zwölf Ländern aktiv und bereiten für weitere vier Regionen einen möglichst raschen Markteinstieg vor. Für uns ist die Diversifikation sowohl nach Ländern als auch nach Produkten wie beispielsweise Hotel, Büro und Wohnen aus Risiko- und Ertragsüberlegungen wichtig.

STANDARD: Was gestaltet sich bei einer so raschen Expansion problematisch? Sie müssen mit Ihren Ressourcen ja kontinuierlich mitwachsen.

Bier: Wir haben knappes Personal. Wir besetzen die Spitzenpositionen aller Länder in den ersten Jahren prinzipiell mit Österreichern, um überall unsere hohen Standards bezüglich Qualität und Termintreue garantieren zu können. Unser Problem ist aber, dass die Österreicher dafür generell zu wenig mobil sind.

STANDARD: Es fällt auf, dass Sie in Polen beispielsweise auch im Wohnbaubereich stark sind. Ist das ein neues Hoffnungsfeld?

Bier: Ja. Im Warschauer Speckgürtel haben wir gerade eben wieder ein Projekt. Der polnische Wohnungsmarkt ist allgemein sehr aktiv und wird das aufgrund der Wohnungsknappheit auch auf Jahre hinaus bleiben. Kürzlich haben wir eine Liegenschaft mit 30 Hektar gekauft, auf der wir demnächst rund 1000 hochpreisige Wohnungen errichten können.

STANDARD: Wie wichtig ist dieses Geschäftsfeld für die UBM?

Bier: Derzeit erzielen wir mit der Errichtung von Wohnungen erst rund fünf Prozent unseres Gesamtumsatzes. Ich gehe aber davon aus, dass sich dieser Anteil binnen drei Jahren auf zwanzig bis 25 Prozent gesteigert haben wird. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.6./1.7.2007)

  • Karl Bier: Wir besetzen die Spitzenpositionen in den ersten Jahren prinzipiell mit Österreichern. Unser Problem ist aber, dass die Österreicher dafür zu wenig mobil sind."
    foto: ubm

    Karl Bier: Wir besetzen die Spitzenpositionen in den ersten Jahren prinzipiell mit Österreichern. Unser Problem ist aber, dass die Österreicher dafür zu wenig mobil sind."

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