EU-Roaming: Regulator appelliert an Kundenfreundlichkeit der Anbieter

30. Juli 2007, 14:38
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Serentschy rät Betreibern zur raschen Umstellung, maximal 60:60 Takt bei Abrechnung und moderaten Auslandspreisen auch für Datendienste

Der österreichische Telekom-Regulator hat die Mobilfunkbetreiber zur möglichst raschen Anpassung ihrer Auslandstarife an die neuen EU-Limits aufgefordert. "Die Betreiber sind angehalten, den Prozess möglichst kundenfreundlich zu gestalten und die Kunden möglichst rasch umzustellen", erklärte Regulierungschef Georg Serentschy drei Tage nach In-Kraft-Treten der neuen EU-Verordnung am Dienstag in Wien.

1,5 Euro pro Minute

Die ohnehin hohen Roaming-Preise waren zuletzt 2005 für die österreichischen Handykunden noch einmal um 6 Prozent auf durchschnittlich fast 1,5 Euro die Minute gestiegen - und das obwohl die Gebühren, die die Betreiber untereinander verrechnen, um 15 Prozent gesunken sind. Durch die jetzige EU-Verordnung wird Handytelefonieren im EU-Ausland mit spätestens 30.9. um 60 Prozent billiger. Ein aktiv getätigtes Gespräch kostet dann maximal 59 Cent die Minute, ab 30.8.2008 dann nur noch 55 Cent und ein Jahr darauf nur noch maximal 52 Cent. Die Passivgebühren werden zunächst auf 29 Cent, dann auf 26 und schließlich auf höchstens 23 Cent gesenkt.

"Eine besonders drastische Maßnahme"

Die Regulierung der Endkundentarife sei "eine besonders drastische Maßnahme". Für die Kunden würden sich daraus jedoch "erhebliche Vorteile" ergeben, sagte Serentschy. Am Montag seien alle Fragen mit den Betreibern noch einmal diskutiert worden. Die Betreiber seien "sehr kooperativ". Er gehe nicht davon aus, dass die Umstellung "technisch große Probleme" verursachen werde. Sollte sich ein Anbieter nicht an die EU-Vorgaben halten, werde man ihn "vor den Vorhang bitten", warnte Serentschy. Er gehe jedoch eher davon aus, dass die Betreiber die neue EU-Höchstpreise im Wettbewerb noch unterbieten werden.

Noch bis Ende Juli Zeit

Laut Verordnung haben die Betreiber bis Ende Juli Zeit, ihren Kunden den neuen Euro-Tarif anzubieten - via Brief, E-Mail oder SMS. Danach muss, wenn der Kunde daraufhin die Umstellung beantragt, binnen eines Monats der Tarifwechsel erfolgen - wenn er sich nicht meldet, gilt eine Frist von maximal zwei Monaten. Mit einer vorzeitigen Umsetzung der Vorgaben ist in Österreich - anders als etwa in Deutschland - noch kein Mobilfunkanbieter vorgeprescht. "Es bleibt (jedoch) dem Kunden überlassen, sich schon vorab bei seinem Betreiber zu erkundigen. Vielleicht bekommt er den Tarif dann schneller", rät der Regulator.

Alternative Zusatztarife

Derzeit bieten einige Betreiber gleichzeitig immer noch alternative Roaming-Zusatztarife an. Serentschy empfiehlt, diese Angebote genau zu prüfen. In der Regel sei man mit dem EU-Tarif "auf der sicheren Seite". Wenn man jedoch oft außerhalb der EU urlaube - etwa in der Türkei, in Kroatien oder Tunesien - könnten andere Pakete günstiger sein. Entscheidet sich ein Kunde für einen anderen Roaming-Tarif oder hat so einen Tarif bereits, wird er nicht automatisch auf den Euro-Tarif umgestellt. Minutenpakete oder Sondertarife für die Sommermonate gelten allerdings nicht als Ersatz für den Euro-Tarif.

Ab 30. September via SMS

Welcher Tarif letztendlich im jeweiligen Land gilt, darüber muss der Kunde ab 30.9. automatisch via SMS verständigt werden, wenn man ins Ausland fährt. Ein hoher Verbraucherschutz sei dadurch in Zukunft gewährleistet, so der Regulator.

Nicht geregelt ist in der EU-Verordnung, welche Taktung der neue Euro-Tarif haben wird - also in welchen Zeiteinheiten im EU-Ausland abgerechnet wird. Auch hier appelliert Serentschy aber an die Kundenfreundlichkeit der Betreiber. "Industriestandard" im Inland sei jetzt 60:30 - heißt: eine Minute Gesprächsgebühr fällt mindestens an, dann wird in halben Minuten abgerechnet. "Alles andere als maximal 60:60 würde zweifellos zu Klagen führen", warnt der Regulator.

SMS, MMS und Datendienste

Auch keine Vorgaben aus Brüssel gibt es vorerst für SMS, MMS und Datendienste wie die Nutzung von UMTS-Karten im Ausland. "Mein Rat an die Betreiber ist aber, auch hier mäßigend zu bepreisen", betonte Serentschy. "Wir werden Ende 2008 eine Bewertung vornehmen." Sollten die teils enorm hohen Tarife bis dahin nicht zurückgehen, werde auch hier die Regulierung kommen "wie das Amen im Gebet". "Die Betreiber sollen wissen, dass sie hier auf der Watchlist stehen", so der Regulator.

Für weitere Informationen hat die Regulierungsbehörde unter eine eigene Internet-Seite eingerichtet. Außerdem können sich Mobilfunkkunden telefonisch bei der Behörde erkundigen unter 0810/511811. Auch die Betreiber müssen laut EU-Vorgabe eine kostenlose Hotline für den Eurotarif einrichten - allerdings erst bis 30. September.(APA)

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