Experiment zeigt: Ratten geben einen Gefallen gerne weiter

8. Juli 2007, 12:00
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Schweizer Wissenschafter konstatieren das Potenzial an Hilfsbereitschaft bei den Nagern: Wer gute Erfahrungen gemacht hat, hilft auch anderen

San Francisco - Ratten helfen auch unbekannten Artgenossen - zumindest dann, wenn ihnen in der Vergangenheit selbst einmal geholfen wurde: Über dieses unerwartete Kooperationsverhalten berichten Schweizer Wissenschafter im Fachblatt "PLoS Biology" (DOI:10.1371/journal.pbio.0050196). Der Nachweis des Verhaltens bei Tieren deute darauf hin, dass diese Form von Hilfsbereitschaft keine rein kulturelle Errungenschaft ist, sondern sich im Lauf der Evolution als vorteilhaft erwiesen hat.

Claudia Rutte und Michael Taborsky von der Universität Bern hatten weiblichen Ratten zunächst eine Aufgabe beigebracht, die eine gewisse Kooperationsbereitschaft erforderte: Ein Tier musste einen Hebel drücken, damit ein anderes an ein Stückchen Futter gelangen konnte. Nachdem die Ratten dieses Prinzip begriffen hatten, begann das eigentliche Experiment. Eine Ratte wurde mit drei unbekannten Artgenossen zusammengebracht, die ihr entweder halfen, an das Futter zu gelangen oder eben nicht. Dann testeten die Wissenschaftler, inwieweit diese positiven oder negativen Erfahrungen die zukünftige Hilfsbereitschaft der Test-Ratte beeinflusst hatten.

Das Ergebnis: Diejenigen, die in der Vergangenheit Hilfe erfahren hatten, halfen später deutlich häufiger auch anderen, unbekannten Artgenossen. Sie drückten im Schnitt 21 Prozent häufiger den Hebel als diejenigen, die zuvor nicht unterstützt wurden, berichten die Forscher. Die Tiere kooperieren also getreu dem Motto "Wie sie mir, so ich dir" miteinander. Die Forscher nennen dieses Verhalten verallgemeinerte gegenseitige Kooperation, weil die Ratten nicht nur Verwandten helfen oder Artgenossen, die ihnen zuvor geholfen haben, sondern auch gänzlich fremden Ratten. (APA/dpa)

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