Treibstoffe seit Sonntag teurer

30. Juli 2007, 09:03
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Die höhere Mineralöl­steuer wird nicht flächendeckend weiter­gegeben, vor allem die Diskonter halten sich zurück

Wien - Seit Sonntag müssen Autofahrer, Frächter und Busreisende tiefer in die Tasche greifen. Mit 1. Juli wurde die Mineralölsteuer und die Lkw-Maut erhöht, der Dieselpartikelfilter- Bonus fällt weg und gleichzeitig erhöht sich der Malus, wenn das Auto über keinen Filter verfügt. Demnächst teurer werden auch die meisten Haftpflichtversicherungen. Im Gegenzug wird die Pendlerpauschale um 10 Prozent angehoben.

Von den gestiegenen Verkehrskosten sind alle Österreicher betroffen, auch wenn sie kein Auto haben. Durch die Anhebung der Lkw- Maut verteuern sich nicht nur Güter, auch Fahrten mit dem Bus werden kostspieliger. Die Preissteigerung bei Mineralölsteuer und Lkw-Maut wird von der Regierung mit dem Klimaschutz und der Kostenwahrheit im Verkehr begründet.

Konkret verteuert die Mineralölsteuer Benzin um 3,6 Cent je Liter, Diesel um sechs Cent je Liter. Ausgenommen sind Landwirte. Für sie wird die Rückvergütung der Mineralölsteuer beim Agrardiesel um fünf Cent je Liter erhöht. Käufer von neu zugelassene Diesel-Pkw ohne Partikelfilter zahlen einen Malus von 300 Euro. Zuvor waren es 150 Euro.

Die Lkw-Maut wird um 4,2 Cent auf 26,2 Cent je Kilometer angehoben. Und bei der Kfz-Haftpflichtversicherung gibt es in nächster Zeit Erhöhungen von bis zu drei Prozent, dafür wird der Haftungsrahmen verdoppelt. Dafür wird die Kfz-Steuer für Lkw und Busse halbiert

Nicht überall höhere Spritpreise

Die Anhebung der Mineralölsteuer hat sich nicht überall in höheren Spritpreisen ausgewirkt. Wie eine Erhebung des Autofahrerclubs ARBÖ heute Mittag ergab, wurde die höhere Steuer nicht flächendeckend bei allen Tankstellen an die Verbraucher weitergegeben. Der börsenotierte Mineralölkonzern OMV hat an seinen Tankstellen die höhere MöSt in vollem Ausmaß draufgeschlagen.

Manche Tankstellen hätten überhaupt nicht erhöht, vor allem Diskonter, während die Tankstellen an der Autobahn die Preise "ziemlich schlagartig" erhöht hätten, sagte ARBÖ-Sprecherin Lydia Ninz. So liege etwa die OMV-Tankstelle beim Flughafen Schwechat mit einem Diesel-Preis von 1,184 Euro im Spitzenfeld. Bei BP hätten einige Tankstellen sofort erhöht, andere aber bisher nicht. "Die Tankstellen haben unterschiedlich reagiert, das ist auch gut so", freut sich die ARBÖ-Sprecherin. Der Autofahrerclub ARBÖ appelliere weiter an Tankstellen, dass sie Wettbewerb praktizieren und differenzieren sollten - die billigeren Tankstellen würden von den Autofahrern auch belohnt.

Keine Treibstoffknappheit

Von Treibstoff-Knappheit bei Tankstellen nach dem Ansturm am Samstag ist dem ARBÖ bisher nichts bekannt. In Wien war bei zwei Tankstellen heute früh kein Tropfen Diesel mehr zu haben, erfuhr die APA von einem Autofahrer. Einzelnes Auftreten von "leergetankten" Tankstellen könne in Folge des Vorratstankens aber nicht ausgeschlossen werden, meinte Ninz.

Beim börsenotierten Mineralölkonzern OMV wurde die Steuererhöhung voll weitergegeben. Der Staat habe die Mineralölsteuer (MöSt) erhöht, sagte OMV-Sprecher Thomas Huemer am Sonntag zur APA. Der Konzern selber sei daran "absolut unschuldig". Eine Knappheit an den Tankstellen im Gefolge des Ansturms der Autofahrer vor der Steuererhöhung gebe es bei der OMV nicht. "Wir haben uns vorbereitet", kommentierte der OMV-Sprecher.

Werbung für Erdgasautos

Die Wien Energie warb anlässlich der Erhöhung der Mineralöl-Steuer für Erdgas-Autos. Autofahrer sparen ab 1. Juli pro 100 Kilometer im Schnitt 4,44 Euro gegenüber Benzin und 2,35 Euro gegenüber Diesel. Ein "weiteres Umstiegs-Zuckerl" seien die 600 Euro Förderung bei der Anschaffung eines neuen Erdgas-Fahrzeugs in Wien, sagte Helmut Miksits, Geschäftsführer von Wien Energie, in einer Aussendung am Samstag. Wien Energie werde außerdem noch heuer im Raum Wien bis zu fünf weitere Erdgas-Tankstellen eröffnen. "Damit wird es in Wien Ende des Jahres 14 Erdgas-Tankstellen geben. Das ist ein Plus von mehr als 55 Prozent", sagte der Geschäftsführer. Derzeit gibt es österreichweit 57 Erdgas-Tankstellen. Bis Jahresende werden es bereits rund 70 Erdgas-Tankstellen sein. (APA)

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