Energieversorgern fehlen die Fachkräfte für neue Kraftwerke

30. Juli 2007, 16:41
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Zuerst wurde restruktu­riert, jetzt fehlen die Mitarbeiter. Die Energie­wirtschaft baut neue Kraftwerke und sucht tausende Fachkräfte

Wien – Den Energieversorgern gehen die Mitarbeiter aus. Der Branche fehlen allein in Österreich einige tausend Fachkräfte. Auch international hat ein Rennen um kompetentes Personal begonnen. Für die Hälfte der Energiekonzerne ist daher der zentrale Beweggrund für neue Akquisitionen der Bedarf an Facharbeitern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC). Dafür wurden in 44 Staaten 114 Unternehmen aus dem Energiesektor befragt.

Mitarbeiter fehlen

Der Branche fehlen Mitarbeiter, um neue Kraftwerke zu bauen, sagt Erwin Smole, Senior Manager von PwC Österreich. Zuvor hätten viele Konzerne im Zuge von Schlankheitskuren die Planungsabteilungen ausgelagert und Mitarbeiter in die Frühpension geschickt. Jetzt müssten Firmen zurückgekauft und neu in die Ausbildung investiert werden. 2006 stieg der Gesamtwert der Deals im Energiesektor um 52 Prozent auf 300 Mrd. Dollar.

Die Sorge der Konzerne, den rasant steigenden Energiebedarf nicht decken zu können, schlägt auch an anderer Front durch: 72 Prozent der Versorger wollen laut PwC in Effizienzsteigerungen investieren – auch wenn dadurch ihre Absatzmengen sinken. Ziel sei, Energie günstiger zu produzieren. Wer beim Energiesparen helfe, mache sich zudem bei Endverbrauchern beliebt.

CO2-Kosten als Antrieb

Der größte Antrieb für mehr Effizienz bleiben jedoch hohe CO2-Kosten. Und eine Antwort auf Probleme rund um den Klimawandel sieht die Branche in Windkraft und Atomenergie. Die Zahl der Manager, die die beiden nicht fossilen Energieformen als Wachstumssektoren sehen, hat sich seit 2006 trotz massiver Bedenken und der Kritik an Atomkraft verdoppelt. Smole: "Es wird nicht ohne Atomkraft gehen."

Die Erwartungen für die zukünftige Rolle der Windkraft übersteigen 2007 jene für Kohle und Gas. Aufgeholt hat Flüssiggas, das derzeit Rang sechs der zukunftsträchtigsten Energieformen einnimmt. Wasserkraft und Kohle lassen sich aus Sicht der Branche derzeit dennoch nicht ersetzen. Neues Potenzial für Wasserkraft gebe es etwa in Russland. Bis sich saubere Kohlekraftwerke rechneten, könnten jedenfalls noch mehr als 40 Jahre vergehen. Stetes Sorgenkind der Energiefirmen ist die Versorgungssicherheit. Die Bedenken haben weiter zugenommen: Die Hälfte der befragten Manager sieht im Strom- wie im Gasbereich hohes Risiko für Blackouts. Europa reagiere hier laut PwC sensibler als die USA.

Langfristverträge

Viele Versorger versuchten sich über Langfristverträge abzusichern, sagt PwC-Partner Bernhard Haider. Ein Drittel der Befragten kauft sich gleich selbst in Öl- und Gasfelder ein. Auch energieintensive Industriebetriebe streben nach Unabhängigkeit: Sie investieren in eigene Energieerzeugung. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2007)

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    Energieversorger sehen die Atomkraft als Wachstumsbranche, zeigt eine neue Studie von PricewaterhouseCoopers. Die Versorger wollen den Klimawandel mit mehr Windkraft und Atomenergie einbremsen – und versprechen Investitionen in Energieeffizienz.

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