Sprengstoff baut sich selbst ab

6. Juli 2007, 18:08
12 Postings

Wird das Material feucht, nehmen eingebaute Enzyme ihre Arbeit auf und zersetzen es in kürzester Zeit

Graz - Blindgänger gefährden bei einer Sprengung Mensch und Umwelt. Tatsächlich detoniert meist nur ein Teil der explosiven Ladung, das Gift gelangt in die Umgebung. Der Grazer Chemiker Georg Gübitz vom Institut für Umweltbiotechnologie der TU Graz hat nun ein Verfahren entwickelt, bei dem Enzyme verbleibende Sprengstoffreste auf natürlichem Weg und in kurzer Zeit abbauen.

Umweltschaden

Wenn Tunnels in den Berg geschlagen, Lawinen durch Explosion zum Abgang gebracht, nach Erdöl gesucht oder in einem Steinbruch mineralische Materialien abgebaut werden, kommen Sprengstoffe als "Werkzeug" zum Einsatz. "Bei jeder Sprengung bleiben allerdings Reste des Sprengmaterials übrig, die nicht explodieren, sondern in die Umwelt gelangen und dieser schaden können", erklärt Georg Gübitz, der erst kürzlich zum Professor für Biotechnologie an der TU Graz berufen wurde.

Gemeinsam mit dem Sprengstoffhersteller Austin Powder hat Gübitz eine Methode entwickelt, wie Trinitrotoluol (TNT) und andere Sprengstoffe mit Hilfe von Mikroorganismen biologisch abgebaut werden können: Sobald das Material feucht wird, nehmen die im Sprengstoff eingebauten Enzyme ihre Arbeit auf und zersetzen die gefährlichen Überreste. "Die Herausforderung bestand darin, jene Enzyme zu finden, die TNT reduzieren und an Stoffe im Humusboden binden. Bei unserer Lösung wird der Sprengstoff unter optimalen Bedingungen in drei Tagen statt nach erst 30 Jahren abgebaut und ist dann weder giftig noch brennbar", resümiert der Forscher.

Umweltschutzpreis

Für seine Untersuchungen, wie sich Mikroorganismen und Enzyme einsetzen lassen, um Reststoffe zu verwerten, wurde Gübitz am Donnerstag mit dem Umweltschutzpreis des Landes Steiermark ausgezeichnet. So ist es dem 39-jährigen Wissenschafter auch gelungen, mit biotechnologischen Methoden aus Klärschlamm Lipide, also Fette, zu erzeugen, die nach weiterer Verarbeitung als Biodiesel einsetzbar sind. Industriepartner für dieses anwendungsnahe Forschungsprojekt ist das steirische Unternehmen VTU-Engineering. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Feuchter Sprengstoff wird zersetzt.

Share if you care.