Reine Schönheit: Werke des Italieners Raffael Santi

27. Juni 2007, 17:15
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Sie gelten als absolute Raritäten am Markt - bei Christie's in London gelangt am 5. Juli ein nunmehr als Raffael-Werk identifiziertes Gemälde zur Auktion

London – Florenz 1504, Michelangelo und Leonardo sind die Stars der Kunstszene und die Stadt am Arno gilt als die Kunstmetropole schlechthin. Raffael Santi (1483–1520), ein Maler aus Urbino, machte hier Station. Mit im Gepäck: erste Erfahrungen. Konkret hatte er schon viel versprechende Arbeit in der Werkstatt des Meisters der umbrischen Schule, Pietro Perugino, geleistet. Nach einigen Jahren in Florenz ging Raffael nach Rom, vermutlich 1508, als Michelangelo gerade die Arbeit an der sixtinischen Decke begann.

Zwischen 1509 und 1517 entstanden seine berühmtesten Werke, darunter die Sixtinische Madonna (1512/13) oder die Nymphe Galatea (1514). Was Zeitgenossen und die Nachwelt an seinen Arbeiten besonders bewunderte? Die reine Schönheit seiner Gestalten. Als Raffael die Galatea vollendet hatte, soll ihn ein Höfling gefragt haben, wie in aller Welt er ein so schönes Modell aufgetrieben habe. Raffael antwortete, er habe sich an kein bestimmtes Modell gehalten, sondern an "eine bestimmte Idee", die in seinem Geist geformt worden sei.

Insofern hatte Raffael die getreuliche Naturwiedergabe, den Ehrgeiz so vieler Künstler des Quattrocentos, wieder aufgegeben. Im Unterschied zu anderen Meistern gelang ihm eine Form der Idealisierung, ohne dass sein Werk an Lebendigkeit und Wahrheit verlor oder ins Banale abdriftete.

Auf dem Kunstmarkt zählen Werke von Raffael zu den absoluten Raritäten. Gemälde und Studien zu Fresken befinden sich nur in den großen internationalen Museumssammlungen, wobei italienische Institutionen naturgemäß die größte Dichte vorweisen können. Nur eine Hand voll seiner Arbeiten befindet sich in Privatbesitz.

Seit 1986 sind weltweit nur zwölf Auktionsergebnisse gelistet, Zuschreibungen nicht inbegriffen. An Gemälden wechselten seit 1991 überhaupt nur zwei in den internationalen Auktionssälen den Besitzer, beides Kleinformate, deren Verkaufspreise zwischen 600.000 und 1,15 Millionen Euro lagen. Den bislang höchsten Preis erzielte eine Studienzeichnung, für die bei Christie's der Hammer in London 1996 bei umgerechnet 6,31 Millionen Euro fiel. Schon deshalb wird die Bewertung des nun bei Christie's in London am 5. Juli zur Auktion kommenden Portraits Lorenzo de Medicis, 1513 bis 1518 regierte er Florenz, mit Spannung erwartet.

Das von den Experten auf zehn bis 15 Millionen Pfund taxierte Ölgemälde wurde erstmals 1892 bei Christie's versteigert, als Lot 84 für 567 Guineas. Bis heute ist sich die Fachwelt über eine Autorenschaft dieses Werkes nicht einig. Noch 1962 – ebenfalls bei Christie's – wechselte es als "zugeschrieben" den Besitzer.

1971 revidierte Konrad Oberhuber diese These. Aber erst jetzt gelangt das stattliche Porträtstück als originaler Raffael auf den Markt. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2007)

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Porträt Lorenzo de Medicis gelangt am 5. Juli als originaler Raffael bei Christie's in London zur Auktion.
    foto: christie's

    Dieses Porträt Lorenzo de Medicis gelangt am 5. Juli als originaler Raffael bei Christie's in London zur Auktion.

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