Sotschi, starker Außenseiter

2. Juli 2007, 21:28
posten

Zwischen Palmen und Bergen - Fast 12 Milliarden Dollar werden in die Russische Riviera gepumpt

Salzburg - "Noch nie gab es Olympische Winterspiele in mediterranen Breiten mit Alpinbewerben in den verschneiten Bergen und Eis-Bewerben zwischen Palmen." So wirbt die Schwarzmeerstadt Sotschi in ihrem Bewerbungsdokument um die Olympischen Winterspiele 2014. Russlands Staatsspitze will bis dahin den Badeort an der "Russischen Riviera" zum ganzjährigen Sportzentrum weiterentwickeln.

"Winterurlaubsort der Weltklasse"

"Wir wollen aus Sotschi einen Winterurlaubsort der Weltklasse machen", bringt es der stellvertretende Ministerpräsident Russlands, Alexander Schukow, auf den Punkt. Sage und schreibe 11,7 Milliarden US-Dollar (8,60 Mrd. Euro) pumpen die Regierung und private Investoren - etwa der Gasriese Gazprom oder Oligarchen - in die Region. Seit Präsident Wladimir Putin zum Skilauf herkommt und im Sommer Staats- und Regierungschefs in seine Villa am Schwarzen Meer einlädt, zieht es auch den russischen Jet Set nach Sotschi, und der wirft mit Geld nur so um sich.

Auch Tennis-Starlet Maria Scharapowa und Eiskunstlauf-Olympiasieger Jewgeni Pluschenko machten sich zuletzt für Sotschi stark. Die aus Sibirien stammende Scharapowa hatte fünf Jahre in Sotschi gelebt und dort ihre Tennis-Karriere gestartet.

Viele Projekte

Lang ist die Liste der Projekte, die bis 2014 noch realisiert werden sollen: 200 Kilometer neue Straßen und Bahnlinien werden entstehen - darunter 59 Kilometer Autobahn und eine 50 Kilometer lange Bahnlinie -, der Flughafen erhält einen neuen Terminal und soll dann vier Mio. Gäste im Jahr abfertigen können, 700 Kilometer Glasfaserkabel werden gelegt, die Energie-Kapazität verdoppelt, die Zahl der Hotelbetten in der Drei- bis Fünf-Sterne-Kategorie um 25.000 verdoppelt. Praktisch alle Sportstätten, Olympia-Dörfer und das Olympia-Stadion müssen erst errichtet werden.

Wie auch bei Salzburg und Pyeongchang soll es zwei Olympia-Zentren geben, das Schnee-Zentrum ist im Gebirge Krasnaja Poljana geplant, die Eis-Bewerbe finden in Sotschi im Imeretinskaja-Tal direkt neben dem Schwarzen Meer statt. Die Alpinbewerbe sollen in Roza Khutor stattfinden, welches das Investmentunternehmen Interros auf 227 Hektar mit 15 Liften errichtet hat. Gazprom hat ein Skigebiet mit 52 Hektar und 13 Liften in Psekhako Ridge entstehen lassen, dort sind die Langlaufbewerbe geplant.

Für die Durchführung der Spiele hat die 400.000-Einwohner-Stadt ein Budget von 1.518 Millionen US-Dollar erstellt. Einnahmenseitig hat Sotschi als größte Posten 310 Mio. Dollar vom IOC, 175 Mio. durch Top-Sponsoren, knapp 300 Mio. durch lokale Sponsoren und 130 Mio. aus dem Ticketverkauf geplant. Ausgabenseitig die größeren Brocken sind Personalkosten mit 279 Mio. Dollar, die Sportstätten sollen 119 Mio. Dollar kosten, die Verwaltung 148 Mio. und die Werbung 80 Mio. Dollar. Außerhalb des Durchführungsbudgets sind noch 806 Mio. Dollar für die Sportstätten und 121 Mio. Euro für die Olympischen Dörfer geplant.

Kurze Wege

Der russische Kandidat selbst hebt in seiner Bewerbung die kurzen Wege hervor, bei den Eisbewerben hätten die Sportler nur sechs Kilometer vom Quartier zum Austragungsort, bei den Schnee-Bewerben gar nur vier. Außerdem habe Russland bei den zwölf Winterspielen, an denen es teilgenommen hat, 270 Einzelmedaillen gewonnen, was keine andere Nation geschafft habe. Weiters sei Russland sehr erfahren bei der Veranstaltung großer Sportereignisse, in den vergangenen 25 Jahren seien 100 internationale Events durchgeführt worden. Zudem wurde die hohe Zustimmung der Bevölkerung mit 84 Prozent hervorgehoben.

Von der IOC-Evaluierungskommission wurde Sotschi als "einzigartiger Bewerber" bezeichnet. Die einmalige Lage zwischen Meer und Gebirge wie auch die starke Unterstützung durch Regierung, Athleten und die Bevölkerung seien ein starkes Argument bei der Vergabe.

Im Bericht schnitt das Konzept des russischen Kandidaten am schlechtesten ab, allerdings wurde die Präsentation sehr hoch bewertet. Bedenken wurden auch in Sachen Natur- und Umweltschutz geäußert. Das IOC monierte, dass zwei Wettkampfstätten unmittelbar an ein Biosphären-Reservat grenzen, das zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Die notwendigen Verkehrswege zwischen Stadt und Berg ließen "robuste Konstruktionsmethoden" befürchten. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Sotschis Olympia-Park im Modell.

Share if you care.