Alles im Kleinen

26. Juni 2007, 20:24
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Die Ausschreibung "Systems on Chip"

Intel-Mitbegründer Gordon Moore prophezeite vor vierzig Jahren, dass sich die Zahl der Transistoren auf einem handelsüblichen Prozessor ungefähr alle 24 Monate verdoppeln wird. "Moore's Law" ist bis heute in der Halbleiter-Industrie ein gültiges Gesetz.

Experten meinen, das Tempo sei noch zehn bis zwanzig Jahre zu halten. Aber was kommt danach? In Handys, MP3-Playern und PDAs müssen heute möglichst viele Funktionen auf möglichst wenig Raum platziert werden - der Schlüssel für die Zukunft lautet "Systems on Chip" und steht für die Integration der elementarsten Funktionen eines Systems auf einem Mikroprozessor.

In Österreich kümmern sich auch offizielle Stellen um eine Technologie, die als wichtiger Motor der digitalen Revolution gilt. Seit 2005 greift das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) in den Topf der Förderungs-Programmlinie "FIT-IT Systems on Chip". 10 Projekte mit Kosten von 11,2 Millionen Euro und einem Fördervolumen von 6,7 Millionen Euro verzeichnet die Bilanz monetärer Zuwendung.

Mit dem Geld arbeitet unter anderem das bereits laufende Projekt "Software Radio on Chip" (Koordinator: Infineon, Partner: Dice und das Institut für Elektrische Mess- und Schaltungstechnik der TU Wien). Bei diesem Vorhaben steht das Handy im Mittelpunkt: Hochintegrierte elektronische Schaltkreise in hohen Stückzahlen sind erforderlich, um den Kunden-Ruf nach immer besseren multifuktionellen Geräten zu erfüllen. "SoftRoc soll die kritischsten Komponenten für Multi-Standard-Mobiltelefonie für den Massenmarkt erforschen sowie Prototypen entwickeln", sagt Andreas Bertl von Infineon Technologies Austria.

Guter Sound erwartet

Auch "Systems on Chip for Portable Audio" (Koordinator: Institut für Elektronik der TU Graz, Partner: Fachhochschule Technikum Kärnten, Austriamicrosystems AG) verfolgt bereits ambitionierte Ziele. Von den trendigen portablen Audio-Geräten à la iPod erwartet der Konsument zwei Annehmlichkeiten: guten Sound und hohe Batterielebensdauer. socPod soll solche Wünsche jetzt in Anwender-Wirklichkeit verwandeln. "Wir werden teilweise vorhandene und teilweise neu zu entwickelnde Schaltungen in eine innovativen Technologie implementieren, um bei gesteigerter Klangqualität einen deutlich geringeren Energieverbrauch zu erreichen", erklärt Wolfgang Pribyl, Leiter des Instituts für Elektronik.

Weitere Ideen sind gefragt: für "FIT-IT Systems on Chip 3". Call stellt dem BMVIT wieder drei Millionen Euro (vorbehaltlich der Freigabe des Förderbudgets und förderrechtlicher Grundlagen) für Kooperationsprojekte bereit. "Wie bei den ersten Ausschreibungen sind heimische Firmen und Forschungseinrichtungen unsere Zielgruppe. Neu ist die Möglichkeit zur Förderung ausländischer Partner in kleinerem Umfang. Im Chipdesign ist internationale Zusammenarbeit wegen steigender Kosten unverzichtbar", betont Georg Niklfeld vom Programmabwickler FFG (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft).

Die Macher hoffen dabei auf eine deutliche Fortsetzung des Trends: Die zweite Ausschreibung hat einige Neuzugänge bei den geförderten Projekten gebracht, jetzt sollen noch mehr unterschiedliche Akteure in Österreich FIT-IT SoC entdecken. Thema ist die fortgesetzte Befassung mit Fragen der Methodik im System-on-Chip-Design. Niklfeld: "Reine Anwendungsentwicklung ist nicht gewünscht. Es sollen Technologien geschaffen werden, die generisch und nicht bloß für eine bestimmte Aufgabenstellung des Chip-Designs von relevanter Bedeutung sind."

Gerechnet wird jedenfalls mit rund einem halben Dutzend prämierter Projekte und doppelt so vielen geförderten Firmen, die bei der Forschungsförderungsgesellschaft FFG voraussichtlich bis 16. Juli um 12.00 Uhr einreichen können. Erstmals sollen Klein- und Mittelbetriebe in den Genuss höherer Förderungen kommen. (pren/DER STANDARD, Printausgabe, 27. Juni 2007)

  • Nahaufnahme eines Prozessors: Immer mehr Transistoren müssen möglichst viele Funktionen haben.
    foto: der standard/ibm

    Nahaufnahme eines Prozessors: Immer mehr Transistoren müssen möglichst viele Funktionen haben.

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