Gas geben mit den Alternativen

26. Juni 2007, 20:21
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Um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Automobilindustrie zu erhalten, fördert die öffentliche Hand die Forschung an alternativen Antrieben

Um die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Automobilindustrie zu erhalten, fördert die öffentliche Hand die Forschung an alternativen Antrieben. In Leitprojekten soll das Potenzial neuer Technologien wie Erdgas-Kfz oder Wasserstofftankstellen analysiert werden.

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Die Erfolge asiatischer Automobilhersteller im Bereich der Hybridantriebe und der sich abzeichnende Durchbruch der Brennstoffzelle sorgen bei den Beamten im Verkehrsministerium (BMVIT) für Unruhe: "Wir müssen aufpassen, dass wir keinen technologischen Trend verschlafen", warnt etwa Andreas Dorda von der Abteilung Mobilitäts- und Verkehrstechnologien.

Das Ministerium jedenfalls sieht bereits "eine existenzielle Bedrohung" heraufdämmern "für all jene Unternehmen, die sich nicht rechtzeitig auf diesen Technologiesprung vorbereiten", wie es in einem einschlägigen Papier heißt.

Man fürchtet darin um die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Autobranche. Immerhin erwirtschaftet diese jährlich einen Umsatz von 35 Milliarden Euro und gibt 175.000 Menschen einen Arbeitsplatz.

Alternative Fahrzeugantriebe und Treibstoffe hätten sich, nach Einschätzung des BMVIT, zu einem zentralen Faktor der Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Energie- und Verkehrstechnik entwickelt. Vor diesem Hintergrund fördert man seit einigen Jahren speziell die Erforschung und Entwicklung eben dieser Technologien.

Das Ministerium startete 2002 das Technologieprogramm "Austrian Advanced Automotive Technology" (A3), in dem interdisziplinäre Forschungskooperationen und "Projekte mit hohem Innovationsgehalt" angestrebt werden. Konsortien der industriellen, universitären und außeruniversitären Forschung sollen Synergien schaffen.

2006 wurde die "Austrian Agency for Alternative Propulsion Systems" (A3PS) ins Leben gerufen. Deren Kernaufgaben: Marketing für österreichische Technologiekompetenz, Foresight-Studien und Unterstützung beim Aufbau kooperativer F&E- oder Pilotprojekte.

Bereits 2005 kamen so genannte "Leitprojekte" hinzu. "Diese haben generell den Ansatz, bereits entwickelte, neuere Technologien in Anwendung zu bringen", sagt Ernst Pucher vom Institut für Verbrennungskraftmaschinen und Kraftfahrzeugbau an der Technischen Universität Wien. Er ist Leiter des A3-Leitprojekts "Clean Energy Pathways 2020 for Sustainable Mobility", das heuer begonnen hat, bis 2008 läuft und sich mit dem Übergang zu nachhaltiger Fahrzeugtechnologie auf Basis von gasförmigen Energieträgern (Erdgas, Biomethan etc.) beschäftigt.

Sauberer Wasserstoff

Neben der TU sind unter anderem auch Hersteller (Magna Steyr), Energieversorger (EVN) und Anwender (Naturtaxi und Mietwagen GmbH) mit an Bord.

CO2-, Rußpartikel- und Stickstoffdioxidausstoß ließen sich etwa durch mit Erdgas (Compressed Natural Gas, CNG) betriebene Fahrzeuge deutlich reduzieren, erklärt Pucher, schränkt aber ein: "Die Sauberkeit erhält man bei den meisten alternativen Treibstoffen auch nur mit einem Katalysator."

Anders sehe es in diesem Zusammenhang bei Wasserstoff und Brennstoffzelle aus: "Hier entstehen aufgrund des Reaktionsmechanismus keine Schadstoffe." Von der Praktikabilität her sei ein CNG-Fahrzeug allerdings in Zukunft schneller einsetzbar als ein Wasserstofffahrzeug, zumal es auch an der nötigen Infrastruktur, sprich einem gut ausgebauten Tankstellennetz, mangle.

Genau daran wird in einem anderen Leitprojekt gearbeitet: "der Öko-Wasserstoff-Tankstelle der Zukunft". Ort des Geschehens ist das Hydrogen Center Austria (HyCentA) in Graz, Österreichs "erstes Forschungszentrum für Wasserstoff mit Prüfständen und Wasserstoffabgabestelle".

"Die Pilotanlage soll nächstes Jahr errichtet werden", sagt Geschäftsführer Manfred Klell, "und dann ein Jahr im Probebetrieb laufen." Danach soll die technische und wirtschaftliche Analyse erfolgen.

"Öko" sei die Anlage deshalb, weil hier nicht Wasserstoff wie bisher aus Erdgas, sondern mittels Ökostrom (Elektrolyse) direkt aus Wasser gewonnen werde. "Das ist allerdings teurer als die herkömmliche Methode", gesteht Klell, fügt aber hinzu: "Wasserstoff ist der einzige Kraftstoff, der CO2-, also kohlenstofffrei ist". Seiner Meinung nach kommt etwa für den Stadtverkehr zukünftig nur noch ein Wasserstoff- oder Elektroantrieb in Frage.

Bisher fahren in Europa allerdings kaum ein Prozent der 15 Millionen 2006 zugelassenen Neufahrzeuge mit alternativen Antrieben. (Markus Böhm/DER STANDARD, Printausgabe, 27. Juni 2007)

  • Bisher fahren in Europa kaum ein Prozent der 15 Millionen 2006 zugelassenen Neufahrzeuge mit alternativen Antrieben. Diese Art des umweltfreundlichen Antriebs hat sich schon lange durchgesetzt.
    foto: der standard/claraluisa

    Bisher fahren in Europa kaum ein Prozent der 15 Millionen 2006 zugelassenen Neufahrzeuge mit alternativen Antrieben. Diese Art des umweltfreundlichen Antriebs hat sich schon lange durchgesetzt.

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