Ruttenstorfer gibt sich bedeckt

25. Juli 2007, 13:54
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OMV-Chef träumt "nicht öffentlich von Dingen" und begrüßt die South-Stream-Pipeline von Gazprom und ENI

Wien - OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer hält sich vorerst bedeckt, was ein mögliches Zusammengehen der OMV mit der ungarischen MOL betrifft. "Wir sind total damit zufrieden, unser ökonomisches Interesse ausgebaut zu haben", sagte Ruttenstorfer am Montag in einer Pressekonferenz. "Ich träume nicht öffentlich von Dingen", wollte sich Ruttenstorfer nicht in die Karten blicken lassen, und befragt nach einer möglichen Komplettübernahme der MOL sagte er: "Da wird noch viel Wasser die Donau hinunterlaufen zwischen Wien und Budapest, bevor ich Ihnen darüber berichten kann."

"Strukturierte Gespräche"

Die für die Aufstockung der MOL-Beteiligung benötigte Milliarde Euro kam OMV-Finanzchef David Davies zufolge "aus bestehenden Kreditlinien". Dass mit dem Zukauf keine Erhöhung der derzeit auf 10 Prozent beschränkten Stimmrechte verbunden ist, stört den OMV-Chef nach eigenen Worten nicht. Auch den Zweck der an die MOL-Führung gerichteten Einladung zu "strukturierten Gesprächen" ließ er vorerst im Dunkeln. Unter "strukturierten Gesprächen" seien zielgerichtete Gespräche zu verstehen - und die Ziele würden sich aus den Gesprächen ergeben.

Der MOL streute Ruttenstorfer Rosen. Man habe vor einigen Jahren die ersten zehn Prozent erworben und das Investment habe sich als sehr gut herausgestellt. "Die MOL ist ein gut geführtes Unternehmen mit einem guten Management" und verfüge über exzellente Raffinerien. Die Ansicht von MOL-Chef Zsolt Hernadi, wonach eine Fusion der beiden Unternehmen "mehr Werte vernichten als aufbauen" würde, teilt Ruttenstorfer nicht: "Ich glaube, er hat das überbewertet." Man sehe eher eine Stärkung angesichts des sich verschärfenden Wettbewerbs.

South Stream "keine Alternative zu Nabucco"

Von den am Sonntag bekannt gewordenen Plänen des russischen Gasversorgers Gazprom und des italienischen Ölkonzerns Eni zum Bau einer Gasleitung ("South Stream"; derStandard.at berichtete) von Russland unter dem Schwarzen Meer hindurch nach Bulgarien zeigt sich Ruttenstorfer nicht beunruhigt. "South Stream ist ein ergänzendes Projekt zu Nabucco und wird von uns sehr positiv gesehen." Das Projekt sei keine Alternative zur Nabucco-Pipeline, weil durch South Stream aus Burgas zusätzlich russisches Gas in die Nabucco-Leitung eingespeist werden könnte. Ungarn sei nach wie vor an Nabucco interessiert und habe auch sein Interesse unterstrichen, Gas aus Aserbaidschan zu beziehen, "und das ist nur schwer möglich ohne Nabucco", betonte der OMV-Generaldirektor. (APA)

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