Genuss entlang des größten Blitzableiters

25. Juni 2007, 11:27
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Klettern auf Klettersteigen zählt zu den sichersten alpinen Abenteuern - Rund 400.000 Österreicher klettern zumindest gelegentlich

Innsbruck - Klettersteige boomen im gesamten Alpenraum. Nach Schätzungen von Michael Larcher, Bergsportreferent im Österreichischen Alpenverein (OeAV) sind rund 400.000 Österreicherinnen und Österreicher zumindest gelegentlich auf einer "Via Ferrata" unterwegs. Larcher erblickt in Klettersteigen eine ausgezeichnete Ergänzung im sommerlichen Tourismusangebot, weil bei diesen auch das Abenteuerelement ins Spiel kommt. Nach dem jüngst erschienen "Klettersteigatlas" (Schall-Verlag) gibt es in Österreich 195 Klettersteige, die meisten - 48 - in Tirol. Im ebenso aktuellen Führer "Alle Klettersteige in Tirol" (Tyrolia) werden sogar 63 genannt. Die Diskrepanz ist damit zu erklären, dass die Abgrenzung zwischen einem Steig mit der einen oder anderen Seilversicherung und einem Klettersteig nicht eindeutig ist, erklärt Larcher.

Stahlseil

Verallgemeinert sind Klettersteige von einem durchgehenden Stahlseil als permanenter Sicherung und dem Einbau künstlicher Griffe und Tritte gekennzeichnet. Die Entwicklung geht zum Sportklettersteig, meist talnah und leicht erreichbar. Diese Tendenz zu sehr beziehungsweise extrem schwierigen Anlagen missfällt Larcher: "Man sollte eher den Bergwanderer im Auge habe und nicht den Sportkletterer."

Obwohl Klettersteigunfälle relativ selten sind und tödliche Unfälle nur ganz vereinzelt vorkommen, bietet der OeAV mit dem Projekt "Via Ferrata - Technik und Taktik auf Klettersteigen" nun ein umfassendes Sicherheitskonzept an. Kernstück sind acht "Goldene Regeln". An die Spitze der Fehlerliste stellt Larcher Planungsfehler. Selbstüberschätzung führt dazu, dass die Alpinpolizei in Tirol rund 20 Mal jährlich ausrücken muss, um Erschöpfte zu bergen, die weder vor, noch zurück können. An zweiter Stelle nennt Larcher eine vollständige und moderne Ausrüstung, zu der neben Steinschlaghelm, Gurt und Klettersteigset, richtiges Schuhwerk und Handschuhe gehören.

Goldene Regeln

Klare Kommunikation, Rücksichtnahme auf andere, ausreichende Abstände und der "Partnercheck" bevor man in die Wand geht, gehören ebenso zu den "Goldenen Regeln" wie ein aufmerksamer Blick auf den Wetterbericht. Schließlich stellen Klettersteige mit ihrem durchgehenden Stahlseil "den größten Blitzableiter" weit und breit dar.

Der OeAV bietet zum Projekt ein gleichnamiges Buch (12 Euro, für Mitglieder 8), sowie von vielen Sektionen organisierte Kurse an, die theoretisch und praktisch das richtige Verhalten im Klettersteig vermitteln. (hs, DER STANDARD Printausgabe, 23.6.2007)

  • Eiserne Griffe und Tritte sowie ein durchgehendes Stahlseil ermöglichen Bergwanderern die Begehung steiler Felswände
    foto: walter würtl/oeav

    Eiserne Griffe und Tritte sowie ein durchgehendes Stahlseil ermöglichen Bergwanderern die Begehung steiler Felswände

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