Das richtige Leiberl in Le Mans

26. Juli 2007, 20:43
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Glücklich angekommen: Audi, Peugeot, Richard Lietz, Porsche, Aston Martin, Tom Kristensen eher nicht - Der 24-Stunden-Report

"Das Highlight meiner Karriere", schwärmt Richard Lietz. Der 23-jährige Österreicher wurde in Le Mans am vergangenen Wochenende 15. in der Gesamtwertung. Was nicht viel aussagt. Wichtiger ist: Der Niederösterreicher aus Ybbsitz wurde Erster in der GT-2-Klasse.

Von vier Klassen (zwei für Prototypen und zwei für seriennahe Sportwagen) beim 24-Stunden-Rennen ist die GT-2-Klasse die kleinste, hier starten Marken wie Porsche, Ferrari, Panoz oder Spyker.

Porsche glücklich

Lietz fuhr auf dem neu entwickelten Porsche GT3 RSR in einem französischen Team. Er war als Porsche-Werksfahrer sozusagen eine menschliche Subvention für das private Team "IMSA Performance" von Raymond Narac. "Porsche hat mich reingesetzt", sagt Lietz trocken. Ebenso wie Porsche den Amerikaner Patrick Long reingesetzt hat, ebenfalls ein Werksfahrer.

Damit Teamchef Raymond Narac, dritter Fahrer im 485 PS-starken Porsche, sein eigener, Erster werden konnte. "Porsche ist glücklich", sagt Lietz, "der Kunde ist glücklich, ich bin es auch". Alle sind glücklich.

Überhaupt waren in Le Mans viele Menschen und ganze Teams sehr glücklich. Bei Audi war man glücklich, weil man Erster wurde, in Le Mans zum siebenten Mal bereits, zum zweiten Mal mit einem Dieselaggregat, was auch den zivilen Fahrzeugen für die Straße einen enormen Image-Schub bringen sollte.

Glücklicher Zweiter

Bei Peugeot war man glücklich, dass man Zweiter wurde. Ursprünglich wollte man Erster werden, aber auch der zweite Platz wurde gefeiert wie ein Sieg. Ebenfalls auf Diesel, die Marketingmaßnahmen sollen diesen Erfolg jetzt auf die Verkaufszahlen umsetzen. Das legendäre 24-Stunden-Rennen ist der geeignete Motor dafür: Die Distanz einer ganzen Formel-1-Saison, mit annähernd der gleichen Geschwindigkeit, ein Marathon im Sprinttempo.

Auch die Zuschauer konnten glücklich sein, das Rennen war durchwegs spannend, 24 Stunden lang, der Sieg von Audi war nach dem Ausfall von zwei von drei Werksautos keineswegs ausgemacht. Peugeot trat nach langer Pause zum ersten Mal wieder an, nächstes Mal will man aber wirklich Erster werden.

Saleen, Lamborghini traurig

Der dritte Platz am vergangenen Wochenende gehörte einem Sympathieträger, dem privaten Pescarolo-Team.

In der GT-1-Klasse konnte Aston Martin überzeugen, Sieg in der Klasse, fünfter Platz in der Gesamtwertung, sechs Autos im Ziel. Die Corvette musste sich geschlagen geben, wurde aber immerhin Zweite in der GT-1-Klasse. Saleen und Lamborghini lieferten eine traurige Vorstellung.

Der Sieg von Lietz und Porsche in der GT-2-Klasse war keine Selbstverständlichkeit, lange Zeit lag der Ferrari F 340 GT vorn, den man erst in den frühen Morgenstunden niederringen konnte.

Fans glücklich

Le Mans ist nicht nur für die Marken enorm wichtig, auch der Devotionalienhandel blüht. Die Verkaufsstände werden gestürmt, die Umsätze an dieser Nebenfront sind beachtlich. Es gibt praktisch keinen Zuschauer, der nicht eine Automarke auf dem Kopf oder der Brust trägt.

Jacken, Taschen, Kapperln, in diesem Jahr auch gerne Regenschirme, finden reißenden Absatz. Manche sind ganz auf eine Marke eingestellt, von Kopf bis Fuß auf Audi eingekleidet etwa, andere kombinieren, Porsche und Golf passen gut zusammen, Ferrari und Michelin. Was gar nicht passt, wären Audi und Peugeot, Aston Martin und Corvette oder Porsche und Ferrari - weil direkte Konkurrenten.

Unglücklicher Favorit

Freilich haben auch die kleinen Teams ihre Anhänger, da waren etwa Horden von Deutschen in voller "Kruse-Motorsport"-Ausrüstung unterwegs. Das deutsche Team, mit einem Pescarolo am Start, schied allerdings aus.

Gewandmäßig kann man sich natürlich auch auf seinen Lieblingsfahrer konzentrieren und mit der Marke kombinieren: Favoriten auf den Leiberln in Le Mans waren eindeutig der Däne Tom Kristensen, mit Audi ausgeschieden, und ebenfalls der Däne Jan Magnussen, auf Corvette Zweiter in der GT-Klasse und Sechster gesamt. (Michael Völker aus Le Mans, AUTOMOBIL, 22.6.2007)

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    Nach 24 Stunden in Le Mans: Marco Werner auf Audi R10 holt für sein Team den Sieg.

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    Das Audi-Siegerteam, verkörpert durch Emanuel Pirro, Frank Biela, Audi-Sportdirektor Wolfgang Ullrich und Marco Werner.

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    Der Lola des Berliners Stefan Mücke fängt während des Boxenstopps Feuer. Mücke unverletzt.

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    Freude bei Peugeot: Sebastien Bourdais feiert wie ein Sieger. Dahinter kommt der Porsche von Richard Lietz.

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    Team Aston Martin bei der Arbeit in der Boxengasse.

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