Der GAK in der Gruab'n

5. Juli 2007, 16:00
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Nur drei Jahre nach dem Meistertitel stürzt der GAK in den Fußballkeller - Die Regionalliga freut sich über den prominenten Zuwachs

Graz - Zurück in die Kultstätte der Schwarzen. Hier in der "Gruab'n", vor dem Hafnerriegel-Hochhaus an der Innenstadtgrenze, wo Graz die schönsten und heißesten Kicks mit Sturm erleben durfte, wird ab Herbst endlich wieder Derbystimmung einkehren. Wenn der rote GAK gegen Sturm einläuft - in der Regionalliga Mitte.

Diesmal zwar gegen die Amateure von Sturm, aber immerhin. Die Gruab'n ist - da Sturm das Areal verkaufen musste - heute Heimstätte des "Grazer Sportclub Straßenbahn" (GSC). Der älteste Grazer Klub, auf Gebietsliganiveau, aber mit dörflicher Begeisterungsfähigkeit und heißspornigem Nachwuchs. Die Sturm-Amateure dürfen hier noch ihre Matches austragen.

Ein beschauliches Ambiente zur Regeneration des GAK, der sich nach dem Entscheid des Schiedsgerichtes, das die Lizenz für die Red-Zac-Liga endgültig verwehrte, vom Infarkt erholen muss. Nur drei Jahre nach dem Meistertitel folgte dieser Totalzusammenbruch. Und dies, obwohl sich um den roten, nobel angehauchten Verein, der heuer im August 105 Jahre alt wird, das Who is Who der Grazer Wirtschafts- und sonstiger Prominenz in den Gremien versammelt hatte.

"Katastrophe pur"

Vor 55 Jahren spielten die Grazer Athletiker zum letzten Mal auf Amateurebene. Es ist das eingetreten, was Präsident Stephan Sticher kürzlich im Standard-Gespräch als "Zukunftsvision" fürchtete, "die ich von meinen Überlegungen fern halten möchte". Jetzt, da diese "Vision" real ist, spricht der Präsident noch leiser als sonst: "Katastrophe pur. Ich bin noch immer sprachlos und entsetzt. Da versuchst du ein ehrliches Budget zu machen, und dann scheitert alles an Formalismen." Ein Millionen- Euro-Paket sei aufgetrieben worden, das Budget jetzt wasserdicht. Aber eben: Es wurde zu spät eingereicht. Sticher rechtfertigt den Zeitverzug damit, dass der Zwangsausgleich zum Stichtag noch nicht abgeschlossen gewesen sei.

Wie jetzt die zweite Ausgleichs-Tranche (880.000 Eu-ro), die im nächsten Jahr fällig wird, aufgetrieben werden soll, weiß Sticher heute noch nicht. Denn die Zahlung war auf Einnahmenbasis der Red-Zac-Liga berechnet. Wenigsten die Nachwuchsarbeit in der Akademie kann vorerst weitergeführt werden.

Präsident Sticher wird den Verein in den Keller begleiten, wie auch der Großteil der Sponsoren. Aber mit weit geringer dotierten Etats. Etliche Spieler werden drei Stock höher in der Bundesliga anklopfen. Einige beim "Hoffentlich-bald-wieder-Stadtrivalen" Sturm, wie vielleicht Mario Sonnleitner. Mit den verbliebenen Amateuren und dem Nachwuchs will der neue Trainer Didi Pegam ein Comeback-Team schmieden. Stephan Sticher zum Standard: "Wir müssen so schnell wie möglich wieder nach oben. Das ist unser einziges Ziel."

Finanziell wird der GAK dennoch mit erhobenem Haupt in die dritte Liga einziehen. Von einem 1,5-Millionen-Euro-Budget ist die Rede. Ein g'stopfter Städter halt, davon können die neuen ländlichen Konkurrenten in der Liga, wie Allerheiligen bei Graz oder die Mannschaft der Elinstadt Weiz, nur träumen. Dennoch: Die Regionalliga freue sich auf die Saison mit dem "renommierten Grazer Verein", sagt Egon Hirtenfellner, Funktionär beim SC Weiz. Diese Herausforderung gegen den "großen GAK" werde ein Anreiz sein, der auch neue Zuschauer mobilisieren werde.

Im Wissen, dass der GAK die Liga nur als Durchgangsstation auf dem raschen Weg zurück nach oben betrachtet, werden die Regionalligisten natürlich auch mit Vergnügen versuchen, dies zu vereiteln. "Aufsteigen", sagt Egon Hirtenfellner, "will jeder." (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 21. Juni 2007)

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