Ikea-Lieferant Schieder insolvent

25. Juli 2007, 14:20
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Der größte europäische Möbelhersteller ist nach einem massiven Bilanzskandal pleite, weltweit sind 11.000 Mitarbeiter und auch österreichische Firmen als Kunden betroffen

Düsseldorf/Wien - Die Gespräche mit Banken und Investoren über die weitere Finanzierung sind gescheitert, teilte Europas größter Möbelhersteller Schieder mit Sitz im gleichnamigen ostwestfälischen Ort am Freitag mit. Noch am Nachmittag solle beim Amtsgericht Detmold ein Antrag auf Insolvenz eingereicht werden. "Das ist der Super-Gau für die Region", klagte ein Sprecher der IG Metall.

Österreichische Möbelhäuser betroffen

Das Schicksal des deutschen Möbelriesen Schieder wurde auch von den österreichischen Einrichtungshäusern mit Spannung verfolgt: So zählen die großen Möbelhäuser wie XXXLutz-Möbelix, Kika/Leiner oder Ludwig, aber auch andere zu den Schieder-Kunden, hatte ein Manager der Schieder Europa-Holding Anfang Juni gegenüber Medien bestätigt.

Schieder hat europaweit rund 11.000 Beschäftigte, davon rund 1.400 in Deutschland. Management, Banken und Investoren hatten seit Tagen über die weitere Finanzierung des Möbelriesen beraten, der durch Bilanzmanipulationen überschuldet ist. Nach früheren Angaben von Interim-Geschäftsführer Ulrich Wlecke lasten Verbindlichkeiten von 350 Mio. Euro auf dem Möbel-Riesen. Erst im April war Schieder nur knapp der Insolvenz entgangen.

Bei Schieder sind nach Angaben des Managements rund 50 Investoren und Banken engagiert. Weite Teile der nachrangigen Kredite befinden sich in Händen von Hedgefonds und Investoren. Finanzkreisen zufolge sind unter anderem Goldman Sachs, die Deutsche Bank, eine DZ-Tochter, die IKB und die KfW bei Schieder engagiert.

U-Haft

Vier ehemalige Schieder-Spitzenmanager waren in Untersuchungshaft genommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, über Jahre die Bücher gefälscht und damit Kredite und Genussscheine über rund 283 Mio. Euro erschlichen zu haben. Sie sollen die Jahresabschlüsse der Gruppe für die Geschäftsjahre 2004/05 und 2005/06 um jeweils 34 Mio.Euro manipuliert haben, um Schieflagen zu vertuschen. "Die in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Bilanzmanipulationen haben uns alle schockiert und die Verhandlungen erheblich erschwert", betonte Wlecke.

Das Management und die IG Metall wollen nun gemeinsam mit dem noch zu ernennenden vorläufigen Insolvenzverwalter versuchen, eine Lösung für die Unternehmensgruppe zu finden. Zunächst gehe es darum, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Schieder produziert unter anderem für Ikea und Segmüller. Das Unternehmen betonte, dass die profitablen Tochtergesellschaften der Holding in der Schweiz, in Liechtenstein, Italien und Bosnien-Herzegowina von dem Insolvenzantrag nicht betroffen seien. (APA/Reuters)

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