Gute Ostgeschäfte mit Mineralwasser

27. Juli 2007, 16:25
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Ob prickelnd oder still, mit Mineralwasser lassen sich weltweit gute Geschäfte machen. Österreichische Firmen haben die neuen Märkte im Osten entdeckt

Ob prickelnd oder still, mit Mineralwasser lassen sich weltweit gute Geschäfte machen. Österreichische Firmen haben die neuen Märkte im Osten entdeckt: Vöslauer drängt es nach Rumänien, Immobilienunternehmer Soravia kauft Quellen in Bulgarien. Weitere Einkaufstouren sind geplant.

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Es ist kristallklar oder perlfrisch, kommt aus dem Herzen der Natur, aus den Tiefen der Erde und belebt bekanntlich die Sinne. Aber ehe sich Werbetexter über das gesunde Nass hermachen dürfen, muss es zum Produkt werden. Und bevor Wasser zum Mineralwasser wird, braucht es einen Stempel. Ohne amtliche Anerkennung bleibt es nämlich schlichtes Quellwasser. Erst mit der Genehmigung bekommt es in Österreich und Deutschland die Produktbezeichnung "natürliches Mineralwasser".

Vom Quellwasser, das wie das Mineralwasser aus unterirdischen Vorkommen stammt, unterscheidet sich das Mineralwasser durch den Gehalt von Spurenelementen und Mineralstoffen und deren Wirkung auf den Organismus. Kohlensäure setzte man ursprünglich zu, um das Wasser haltbar zu machen. Mittlerweile wird das Wasser so rein abgefüllt, dass die Gasbläschen aus hygienischen Gründen nicht mehr notwendig sind. In Österreich überwiegen kohlensäurehaltige Mineralwässer, international steigt die Nachfrage nach "stillem" Mineralwasser.

Den weltweiten Mineralwassermarkt kontrollieren drei Konzerne: Nestlé Waters, Coca Cola und Danone. Weltmarktführer Nestlé besitzt weltweit 77 Wassermarken. 2006 stieg der Nestlé-Umsatz mit dem Wasser um 9,4 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro. Die fünfzehn österreichischen Abfüller sind in der Mehrzahl traditionelle Unternehmen und Familienbetriebe - ausgenommen Römerquelle, die seit 2003 zu Coca Cola gehört, und Güssinger, das 2004 vom saudiarabischen Konzern Abdel Hadi Abdullah Al-Qahtani & Sons Co. übernommen wurde.

Gesättigter Markt

640 Millionen Liter setzten die österreichischen Mineralwasserabfüller im Vorjahr ab, berichtet deren Kommunikationsplattform "Forum natürliches Mineralwasser". Frau und Herr Österreicher trinken 87 Liter Mineralwasser pro Jahr, 1970 waren es erst sechs Liter. Der Markt sei gesättigt, sagt Katharina Koßdorff, Sprecherin des Forums. Wachstumschancen sieht sie "im Near-Water-Bereich". Womit die flüssigen Lifestyle-Produkte in allen möglichen Geschmacks- und Farbrichtungen gemeint sind. Österreichische Firmen importieren jährlich 95 Millionen Liter und exportieren 16 Millionen. Der mittel- und osteuropäische Markt sei "ein Hoffnungsmarkt" (Koßdorff).

Ersatz für Leitungswasser Für Vöslauer etwa ist neben Deutschland der Hauptexportmarkt Rumänien. Auf dem südosteuropäischen Mineralwassermarkt etabliert hat sich ein branchenfremder Konzern: Die zur österreichischen Soravia-Gruppe gehörende Soravia Equity nutzte ihre Markterfahrung aus Immobilienprojekten und kaufte sich im Vorjahr den bulgarischen Mineralwasser-Abfüller Devin.

Laut Geschäftsführer Martin Ohneberg zählt Devin heute mit einem Marktanteil von mehr als 30 Prozent zu den führenden Mineralwasserabfüllern Bulgariens und hat die exklusive Vertriebslizenz von Red Bull für Bulgarien. Soravia will nach dem Börsengang von Devin im Osten weitere Quellen kaufen. Ohneberg: "Ziel ist es, mit dem Erlös aus dem Börsengang weitere Unternehmen aus den Bereichen Mineralwasser und Fruchtsaft zu erwerben und zu einem Big Player in Südosteuropa zu werden." Interessant sei der Markt, weil "das Leitungswasser in vielen Regionen keine Trinkwasserqualität hat und der Bedarf an sauberem Trinkwasser ebenso steigt wie das Gesundheits- und Fitnessbewusstsein."

Während in Osteuropa das Markenbewusstsein "noch vergleichsweise unterentwickelt ist" (Ohneberg), ist das Wasser aus der Flasche im Westen auch Prestigeobjekt. Wer im großstädtischen Feinkostgeschäft einkauft, findet schicke Wässerchen aus Wales oder Norwegen oder gar aus Japan im Regal. Mineralwasser ist aber nicht nur zum Trinken da. Mit "Le Brumisateur" hat Evian (die Quelle am französischen Ufer des Genfer Sees gehört zum Lebensmittelriesen Danone) ein Kult-Kosmetikum geschaffen. Damit die Schönen dieser Welt ihr Gesicht mit Mineralwasser aus der Sprühdose erfrischen können. Davon weit entfernt ist jenes Drittel der Menschheit, das nicht einmal Zugang zu Trinkwasser hat. 600 Milliarden Dollar müsste man in den nächsten zehn Jahren investieren, um die Wasserversorgung und Abwasserversorgung in den Entwicklungsländern sicherzustellen, errechnete die Weltbank.

Grund genug für eine Schweizer Entwicklungsorganisation, am Weltwassertag eine internationale Wasser-Konvention zu fordern. Das Recht auf Wasser sollte zum Grundrecht werden, sagt Alliance Sud. Laut Attac sterben täglich 30.000 Menschen an Krankheiten, ausgelöst durch Wassermangel und fehlende sanitäre Einrichtungen. (Jutta Berger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.06.2007)

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    Das Geschäft mit dem Mineralwasser floriert auch in Österreich: 87 Liter werden pro Kopf getrunken.

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