Söhne am Rande des Nervenzusammenbruchs

    13. Juni 2007, 17:18
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    Die quirlige Komödie "Reinas" um eine schwule Massenhochzeit wird zur Huldigung an die (Schwieger-)Mütter der Bräutigame

    Man muss sie einfach lieben - und ganz besonders auf der Leinwand, wo sie jemand anderes' Mutter sind und nicht unsere eigene Lebenserwartung verkürzen ...

    Zwar nimmt Manuel Gómez Pereiras Komödie die erste gleichgeschlechtliche Massenhochzeit in Zapateros neuem Vorzeige-Spanien zum Anlass, drei sehr unterschiedliche Paare herauszugreifen - im Mittelpunkt von "Reinas" stehen aber die "Königinnen". Soll heißen: die Mütter und künftigen Schwiegermütter der sechs Bräutigame. Jede einzelne von ihnen mit einer Lastwagenladung Persönlichkeit ausgestattet.

    Gott schütze die Königinnen

    Da wäre Nuria (Verónica Forqué), die verhuschte, aber gutherzige Sexsüchtige, die zu ihrem großen Leidwesen wirklich keinem Mann widerstehen kann. Oder Magda (Carmen Maura), die taffe Geschäftsfrau, in deren Hotel werbewirksam die Hochzeitsfeier stattfinden soll, das aber ausgerechnet jetzt bestreikt wirkt. Die glamouröse Filmschauspielerin Reyes (Marisa Paredes): "sehr modern, sehr offen und sehr verspannt" - und etwas indigniert darüber, dass ihr Rafa den Sohn ihres kommunistischen Gärtners heiraten will ... noch viel mehr aber darüber, dass es zwischen ihr und dem Gärtner längst unterschwellig knistert.

    Dann Ofelia (Betiana Blum faszinierend ambivalent zwischen Naivität und Berechnung), die Pomeranze aus Argentinien, die alles nur nicht nerven will, darin aber höchstens von ihrem riesigen Hund übertroffen wird. Und schließlich Friedensrichterin Helena (Mercedes Sampietro), die als einzige das Schwulsein ihres Sohnes nicht akzeptieren will - und ausgerechnet sie soll einspringen, nachdem der für die Trauung vorgesehene Amtskollege einen Herzinfarkt erlitten hat.

    ... und uns vor ihnen

    Soweit die Ausgangslage, und auch in der Folge ist der Weg zum Traualtar mit Stolpersteinen nur so gepflastert, was die diversen (Schwieger-)Söhne an den Rand des Wahnsinns treibt. "Reinas" erinnert damit einerseits an turbulente italienische und französische Situationskomödien aus den 60er Jahren, andererseits aber auch ganz heftig (und gewissermaßen in der "Light"-Version) an Pedro Almodóvar, worauf auch in einigen In-jokes angespielt wird.

    Exaltiertheit, Hektik und Grandezza: Gómez Pereira schneiderte seinem weiblichen Star-Quintett die Rollen für eine Reihe großer Auftritte gekonnt auf den Leib. "Reinas" stellt damit über die Komik hinaus eine Huldigung an große Schauspielerinnen reiferen Alters dar - und natürlich auch eine an die Mütter. Wie gesagt: Man muss sie einfach lieben. (Josefson)

    "Reinas": 15.6., 20.00 h (Filmcasino)
    • Der Weg zum Trauschein ...
      foto: identities

      Der Weg zum Trauschein ...


    • ... führt an den Müttern nicht vorbei.
      foto: identities

      ... führt an den Müttern nicht vorbei.

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