Tage in der Haft werden länger

9. Juli 2007, 16:39
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Finanzbetrug: Schon 9 Millionen Euro im Gerede

Graz - Für den ehemaligen Szenetiger und Fußballpräsidenten des SK Sturm, Hannes Kartnig, sieht es nicht so aus, als könnte er schon in Kürze wieder den geliebten Grazer Schanigärten einen Besuch abstatten. Denn Ende vergangener Woche brachten Mutter und Witwe des verstorbenen Vereinskassiers Carlo Platzer der Justiz neue Finanzunterlagen aus dessen Nachlass.

Und die Finanz legte ihre Schlussanzeige vor, die die Schadenssumme noch einmal in die Höhe schraubte. Jetzt sollen bereits 8,8 Millionen Euro in die Kategorie "Steuerbetrug" fallen.

Die neuen Unterlagen, die in die frühen 1990er Jahre zurückgehen, dokumentieren dubiose Geldflüsse - das Gericht prüft derzeit nur die Jahre 1998 bis 2005. Die Dokumente müssten nun gesichtet und in das Gutachten des Sachverständigen aus dem Bereich der Buch- und Wirtschaftsprüfer eingearbeitet werden, hieß es von Seiten der Staatsanwaltschaft. Ob sie Kartnig belasten, muss noch geklärt werden. Kartnigs Anwalt Richard Soyer sagte am Dienstag zum Standard, dass die jetzt aufgetauchten Unterlagen Kartnig vielmehr entlasten. Soyer: " Wenn er etwas damit zu tun hätte, hätte er die Unterlagen ja längst vorgelegt. Überall liegen Akten und Unterlagen herum, nur nicht bei Kartnig." Also müsse eben vieles ohne sein Wissen gelaufen sein.

Der Privatmann, Geschäftsmann und ehemalige Sturm-Präsident muss derweil jedenfalls über Millionen-Euro- Beträge Auskunft geben, die er an Steuern hinterzogen haben soll. Die kolportierten Beträge von knapp neun Millionen Euro aus der Schlussanzeige des Finanzamtes will die Staatsanwaltschaft aber noch nicht bestätigen. Für die Verteidigung steht fest, dass sich die ursprüngliche Schadenssumme reduziert hat, was aber sowohl U-Richterin als auch Staatsanwaltschaft in Abrede stellen. Es seien weit mehr Geldflüsse unaufgeklärt, als die Schwarzzahlungen an die Spieler und Trainer.

Was die steuerlichen Delikte betrifft, so zeigt sich Kartnig, der in Untersuchungshaft sitzt, ja geständig. Aber sicher nicht für jene hohen Beträge, die jetzt kursieren. Soyer: "Diese Summe ist sicher zu hoch." Was Kartnig nach wie vor bestreitet, ist der Betrugs- und Untreuevorwurf. Persönlich habe er "keinen Schilling", beziehungsweise Euro, eingesteckt. Von einer Mitschuld an der illegalen Bereicherung des Sportvereines, seien es Spieler, Trainer oder Funktionäre, will er ebenfalls nichts wissen.

Kartnig bleibt weiterhin in Untersuchungshaft, das Oberlandesgericht hat die Haftbeschwerde Kartnigs abgelehnt. Soyer will jetzt den Obersten Gerichtshof anrufen und Kartnig ehebaldigst gegen Kaution aus der U-Haft "befreien". Für die Verteidigung gebe es keinen Grund, Kartnig weiter festzuhalten, zumal Kartnig wohl "nur" wegen eines Steuerdeliktes belangt werden könne. Der Betrugsverdacht habe sich zuletzt deutliche "relativiert", sagt Soyer. Aber genau darauf stützt sich die Staatsanwaltschaft, sie wirft Kartnig Betrug, Veruntreuung und betrügerische Krida vor, was die U-Haft rechtfertige.

Der nächste Haftprüfungstermin ist am 31. Juli. Der Zeitrahmen für Verdunkelungsgefahr laufe Anfang Juli aus, sagt Soyer. Da wolle er wieder einhaken. (mil, mue, DER STANDARD Printausgabe 13.06.2007)

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