"Feinkostladen statt Diskonter"

1. Juli 2007, 16:44
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Tirol sucht neuen Tourismusplan

Innsbruck – Tirols Tourismus hat seinen Masterplan für die Jahre 2008 bis 2012 vorgelegt. Dabei geht es um eine Fortschreibung der Konzepte von 1998 und 2002. Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung (TW), hebt die Entwicklung von ganzjährigen Angeboten und den weiter wachsenden Kurzreisetourismus hervor. Auch wenn der politisch Verantwortliche für den Tourismus, Landeshauptmann Herwig van Staa (VP), betont, der Sommertourismus hätte sich "hervorragend behauptet", ist den Verantwortlichen klar, wo primär der Hebel anzusetzen ist. Während die Nächtigungen im Winter in den letzten zehn Jahren von 20 auf fast 25 Mio. gewachsen sind, verzeichnet der Sommer im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 18 auf 17 Mio.

Margreiter nennt als zentrale Handlungsfelder für die nächsten Jahre die Angebotsentwicklung, eine Erhöhung der Zahl von Top-Tourismus-Unternehmen, Fragen der Raumordnung und die Destinationsentwicklung.

Letzteres präzisiert der Obmann des Tourismusverbands Serfaus-Fiss-Ladis, Franz Tschiderer mit der Forderung, nach "klaren Positionierungen", etwa als Vitalpark (Achensee), Lifestyle-Metropole (Ischgl) oder Golfzentrum (Kitzbühel). "Ohne starke Unternehmer gibt es keine starken Destinationen", betont Tschiderer und reklamiert diese "starken Unternehmer" in führende Funktionen in den Tourismusverbänden (TVB).

Den von ihm gegen viele Widerstände forcierten Umbau der TVB bezeichnet van Staa als "weit gehend abgeschlossen". Aus über 200 TVB vor wenigen Jahren seien nun 38 geworden, Anfang 2008 folgt noch der Zusammenschluss der drei Osttiroler Verbände zu einem. Dank der Neustrukturierung der TVB könne sich die TW wieder auf ihre Kernaufgaben Marktforschung und Imagewerbung konzentrieren, betont Margreiter. Die Bedeutung des Tourismus in Tirol ist auch dadurch gekennzeichnet, dass die TW seit einiger Zeit auch mit Aufgaben des Standortmarketings für die gesamte Wirtschaft betraut ist.

Einen "Feinkostladen anstelle eines Diskontladens" wünscht sich der Chef der Tiroler Wirtschaftskammer Jürgen Bodenseer und spricht damit die allseits angestrebte höhere Wertschöpfung im Tourismus an. Bemerkenswert ist, dass der Bodenseer "viele Ganzjahresstellen im Tourismus schaffen" will und "vielleicht auch etwas bei der Bezahlung der Mitarbeiter" geschehen sollte. Kritisch merkt Bodenseer an, dass die in Tirol gebotene "beste Ausbildung von Fachkräften" nur bedingt dem Tiroler Tourismus zugute komme. 70 Prozent würden entweder ins Ausland abwandern oder die Branche verlassen. (Hannes Schlosser, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.06.2007)

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