"Wir haben Kapitalbedarf"

1. Juli 2007, 17:16
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Adeg braucht Geld für die Sanierung, sagt Konzernvorstand Andreas Poschner. Im STANDARD-Interview sprach er über den Verkauf der "Cash & Carry"-Märkte

STANDARD: Adeg verkauft sein "Cash & Carry"-Geschäft. Konkret die Hälfte der Anteile an den 19 AGM-Märkten. Diese sind aber die einzig Gewinn bringende Schiene im Konzern. Hat Adeg das Geld so nötig?

Poschner Wir trennen uns von AGM ja nicht, sondern suchen dafür einen strategischen Partner. Die Restrukturierung der Adeg und die Sanierung der Filialschiene beinhaltet gewissen Kapitalbedarf. Wir versuchen das selbst zu meistern. Einen Verkauf der Mehrheit an AGM schließe ich aus.

STANDARD: Als Interessent gilt neben Pfeiffer, Kastner und der Metro-Gruppe auch Prodega, an der Rewe beteiligt ist. Das stößt vielen bitter auf. Haben Sie einen Favoriten? Poschner: Nein. Das Ganze ist erst im Anfangsstadium und wird bis in den Herbst dauern. Unser Partner sollte im gleichen operativen Umfeld arbeiten, eine ähnliche Größe haben. Von den Synergien könnten beide profitieren.

STANDARD: Adeg betreibt 104 eigene Filialen, zieht sich aber aus diesem Geschäft zurück.

Poschner Wir werden 60 bis 70 Filialen in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren an unsere selbstständigen Kaufleute abgeben. Einen kleinen Teil führen wir selber weiter, um gewisse Flexibilität zu halten. Über 30 Standorte werden jetzt über ein Ausschreibungsverfahren angeboten.

STANDARD: Es heißt, Billa, Spar, Hofer, Lidl sind interessiert.

Poschner Jeder kann sich bewerben. Wir sind dabei nicht an den Lebensmittelhandel gebunden, es gibt auch Flächen, die etwa für Textilfilialisten infrage kommen. Ein Teil bietet sich für Diskonter an.

STANDARD: Andere Filialen sind klein, schlecht gelegen...

Poschner Es sind auch viele zukunftsträchtige Filialen darunter, wir haben uns Zeit genommen, sie zu sanieren.

STANDARD: Woran ist das Filialkonzept gescheitert? Hätte man Großhändler bleiben sollen?

Poschner Es gibt viele Ansatzpunkte, wo man Fehlentwicklungen suchen kann. Es war einmal das Ziel der Adeg, sich im Filialbereich zu etablieren. Die Kombination Filialen und Kaufleute ist jedoch zum Teil nicht aufgegangen. Den Einkauf in Bayern aufzustellen, das war vielleicht strategisch nicht sinnvoll, ist aber mittlerweile revidiert worden.

STANDARD: Beim Einkauf hat ja jetzt der Rewe-Konzern ein gewichtiges Wort mitzureden.

Poschner Das würde ich so nicht sagen. Fakt ist, die Edeka-Zentrale hat zuvor 70 Prozent unseres Volumens abgewickelt. Wir sind jetzt auf dem Weg, diese Abrechnung in einer ähnlichen Dimension über Rewe zu organisieren. Derzeit sind wir bei unter 20 Prozent.

STANDARD: Wie viele Rewe-Artikel hat Adeg bisher gelistet?

Poschner Wir hatten 500 Edeka-Produkte im Sortiment. Sie sind für uns jetzt nicht mehr verfügbar und wurden durch Clever- und Ja!Natürlich-Artikel ersetzt. Da muss es natürlich enge Zusammenarbeit zwischen dem Adeg-Einkauf und jenem der Rewe geben.

STANDARD: Bleibt die Marke Bio+ in den Adeg-Regalen?

Poschner Das macht wenig Sinn. Wir ersetzen sie sukzessive durch Ja!Natürlich. Auch die Kärntner Milch produziert künftig für Ja!Natürlich.

STANDARD: Brüssel hat den Einstieg der Rewe bei Adeg ins Visier genommen. Stört Sie das?

Poschner Nein, ich habe da weniger Emotionen als unbeteiligte Branchenkollegen. Wir kommunizieren mit Brüssel und beantworten Fragen zu gewissen Sachverhalten.

STANDARD: Adeg will 2008 den Turnaround schaffen, hatte jedoch 2005 noch 20 Mio. Euro Verlust. Wie sah es 2006 aus?

Poschner Wir haben keine fertigen Zahlen. Unser Umsatz ist leicht auf 732,6 Millionen Euro gesunken. Denn unser Kunde, die E-Center, hatte bedingt durch Verkaufsgerüchte einen Umsatzrückgang.

STANDARD: Auch selbstständige Kaufleute werden weniger...

Poschner Es gibt einen Strukturwandel, dem auch die Kollegen bei der Spar und Nah & Frisch unterliegen. Wir versuchen, dem zu begegnen, indem wir unseren selbstständigen Kaufleuten bessere Standorte anbieten. Die Zahl der Filialen wird noch ein paar Jahre sinken, darauf müssen wir uns einstellen. Die Verkaufsfläche selbst wird jedoch mehr.

STANDARD: Wie lange läuft Ihr Vertrag als Adeg-Vorstand?

Poschner (lacht): Fragen können Sie mich das ja, aber ich beantworte es nicht. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.06.2007)

Zur Person
Der Betriebswirt Andreas Poschner (41) ist seit 1993 in der Edeka Chiemgau und seit 2005 Vorstand der Adeg.
  • Adeg-Vorstand Andreas Poschner will für die AGM-Märkte bis Herbst einen Partner finden.
    foto: standard/matthias cremer

    Adeg-Vorstand Andreas Poschner will für die AGM-Märkte bis Herbst einen Partner finden.

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