Reife Leistung mit krummen Dingern

20. September 2007, 16:19
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Aufgewachsen in der Karibik gönnen sich Bananen erst einmal einen zwei­wöchigen Schönheits­schlaf auf einem Meeresgiganten, ehe sie auf den heimischen Tischen landen

Bananen machen Laune - sie enthalten Stimmungsmacher, schmecken exotisch, sind billig. Die Anbaugebiete liegen in den süd- und mittelamerikanischen Ländern wie Peru, Ecuador, Costa Rica, Kolumbien oder der Dominikanischen Republik. Aufgrund des idealen Klimas am Äquator können die Bananen ganzjährig geerntet werden. Mehr als elf Millionen Tonnen der gelben Frucht werden pro Jahr exportiert, den Österreichern ist sie nach dem Apfel die liebste Frucht. Doch der Transport der krummen Lieblinge ist eine Wissenschaft für sich - eine Frage des Timings und der lückenlosen Kühlung.

Dass die Banane grasgrün und nicht ganz gereift geerntet wird, ist kein Geheimnis, aber das Geheimnis ihrer Frische und des Geschmacks. Sobald die Frucht von der Staude abgetrennt wird, läuft der Prozess ihrer Entwicklung zur Genussreife. Somit ist Eile geboten. Bananendolme werden noch auf den Plantagen portioniert, gebadet, desinfiziert, etikettiert und in perforierter Folie in genormte Kartons verpackt. Spätestens 36 Stunden nach der Ernte treten die Früchte ihre Traumreise durch die Karibik an. Bei exakt 13,2 Grad werden die empfindlichen Passagiere auf dem Kühlschiff, dem Reefer, in einen "Schlafzustand" versetzt, in dem die Reifung stark verlangsamt wird.

Schwimmende Kühlschrank-Giganten

Würde die Temperatur auch nur um ein Grad sinken, wäre die Schale der Banane bei der Ankunft ergraut und hätte kaum mehr Chancen in den heimischen Supermarktregalen. Zuviel Wärme hätte eine zu schnelle Reifung zur Folge. "Reeferschiffe sind schwimmende, äußerst präzis funktionierende Kühl- und Gefrierschränke gigantischer Größe und können - anders als Kühlcontainerschiffe die Temperatur - bis aufs Zehntelgrad und die Atmosphäre perfekt auf den Reifegrad der Früchte abstimmen", so Peter Maierhofer, Vorstand der MPC Capital Austria. Der Rumpf eines Kühlschiffs ist in mehrere Abteilungen eingeteilt, jede kann mit einem anderen Kühlgut beladen werden. Von Plusgraden für Bananen bis zu Tiefkühlgut wie Fleisch.

In den Laderäumen strömt die abgekühlte Luft durch ein ausgeklügeltes Gittersystem nach oben durch die Ladung hindurch und führt dabei deren Wärme ab. Im Anschluss wird die erwärmte Luft im oberen Bereich des Kühlraums wieder abgesaugt, während von unten neue kühle Luft nachströmt und den Kreislauf der Luftzirkulation schließt. Für Seefahrer-Romantik bleibt keine Zeit: Hunderte Messpunkte in den einzelnen Abteilungen prüfen Temperatur und Luftzusammensetzung und werden von der Crew Tag und Nacht überwacht und dokumentiert.

Die "weißen Schwäne", wie sie oft wegen ihres weißen Anstrichs auch genannt werden, können bis zu 220 Meter lang sein und bis zu 300.000 Kartons - das entspricht etwa 300 Lkw-Ladungen bzw. sechs Millionen Kilo Bananen - fassen und darüber hinaus acht verschiedene Klimazonen bereitstellen. Die schlanken Kühlschiffe sind zudem schnell unterwegs: Mit bis zu 20 Knoten (etwa 40 km/h) treiben sie durch die Weltmeere. Anders als jedes andere Transportmittel garantiert dieses Hightechschiff für jeden Lagerraum präzise Klimaverhältnisse.

Bus versus Taxi

Dass Containerschiffe Kühlschiffe nach 130-jähriger Geschichte ersetzen könnten, wäre wie zu behaupten, Busse lösten Taxis ab. Reeferschiffe fahren im Gegensatz zu Containerschiffen von Punkt zu Punkt (d.h. ohne Umladen) mit kaum mehr als einem zusätzlichen Stopp. Mit 84 Prozent sind sie das am besten ausgelastete Transportmittel (zum Vergleich: Containerschiffe knapp 60 Prozent, Tankschiffe maximal 50 Prozent) und können Waren praktisch aller Art - wie Früchte, Fleisch, Autos und Computerchips - transportieren. Eine der klassischen Routen beginnt in Antwerpen: "Eine Ladung gebrauchter Autos wird nach Nordafrika befördert, ehe das Kühlschiff ohne Ballastmittel seine Reise nach Südafrika aufnimmt, um dort beispielsweise Weintrauben zu laden, nach Japan weiterfährt, wo die nächste Ladung Autos aufgenommen und nach Neuseeland transportiert wird. Der frei gewordene Raum bietet bis in die USA Kiwis Platz, der nächste Hafen liegt in Ecuador und hält Bananen bereit, die nach Antwerpen gebracht werden", so Maierhofer.

Ohne an einer Kaimauer anzulegen können Reeferschiffe mitunter auch auf hoher See in kürzester Zeit Waren an Bord nehmen. Durch ein eigenes Ladegeschirr (Kräne, etc.) können alle Luken bedient und in der Regel auch Container umgeschlagen werden.

Cooles Investment

Seit dem Jahr 2000 wurden jährlich im Schnitt 14 Kühlschiffe verschrottet - ungeachtet der steigenden Nachfrage nach Transportkapazität. Aktuell sind elf Kühlschiffe im Bau, nur sieben davon werden eine Ladekapazität von mehr als 500.000 Kubikfuß (etwa 14.600 m³) aufweisen und somit zu den Großen zählen. Viele Werften messen dem Neubau von Reefern aus zwei Gründen keine besonders hohe Priorität bei. Maierhofer: "Während sich andere Schiffstypen quasi fast wie am Fließband bauen lassen, fallen die Gewinnmargen beim Bau von Kühlschiffen geringer aus, weil die Werften bei der ausgeklügelten und teuren Kühl- und Überwachungstechnik auf Zulieferer angewiesen sind." Nicht zuletzt ist der Bau von Kühlschiffen technisch derart anspruchsvoll, dass weltweit lediglich zehn Werften dazu in der Lage wären.

Bis etwa 2010 sind die Auftragsbücher zudem zu 100 Prozent mit Aufträgen nach Containerschiffen, Massengutfrachtern und Tankern ausgelastet. Mit einem Alter von durchschnittlich 19 und einer Lebensdauer von 30 Jahren sind die heutigen ca. 600 Kühlschiffe zwar noch fit, neue wird es bei einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren aber voraussichtlich frühestens erst ab 2012 geben - eine nicht ungünstige Formel für Anleger. Maierhofer: "Ein schrumpfender Bestand an Kühlschiffen plus steigender Nachfrage an Transport ergibt steigende Chartereinnahmen und damit schöne Renditeaussichten." (Sigrid Schamall)

Hintergrund
MPC Capital gehört zu der seit 160 Jahren in Schiffbau, Handel und Finanzen international tätigen MPC-Gruppe. Die Produktpalette umfasst zusätzlich internationale Immobilienfonds, Private Equity Fonds und strukturierte Produkte.

Die 14 Fondsschiffe der MPC Capital sind im Seatrade Reefer Pool, dem weltweit größten Pool für Kühlschiffe beschäftigt. Zum breit gefächerten Kundenkreis gehören z.B. alle großen Fruchtexporteure wie Chiquita, Dole, Fyffes und Zespri.

Link
MPC Capital Austria
  • Dass die Banane grasgrün und nicht ganz gereift geerntet wird, ist kein Geheimnis, aber das Geheimnis ihrer Frische und des Geschmacks.

    Dass die Banane grasgrün und nicht ganz gereift geerntet wird, ist kein Geheimnis, aber das Geheimnis ihrer Frische und des Geschmacks.

  • Sie bilden weiter das Rückgrat im weltweiten Fruchtverkehr:...
    foto: mpc capital

    Sie bilden weiter das Rückgrat im weltweiten Fruchtverkehr:...

  • ... Kühlschiffe oder Reefer-Carrier.
    foto: mpc capital

    ... Kühlschiffe oder Reefer-Carrier.

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