18-Jährige sollte nach Internet-Nutzung 11.200 Euro an One zahlen

10. Juli 2008, 14:18
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Surfte im Ausland - Anbieter betont, Kunden über höhere Tarife aus­reichend zu informieren - AK fordert Roaming- Höchsttarife für Internet

Einer 18-jährigen Vorarlbergerin ist nach einem 900 MB-Daten-Download im benachbarten Deutschland eine 11.200 Euro hohe Rechnung des Telekommunikations-Anbieters ONE ins Haus geflattert. Der Fall wurde durch eine Aussendung der Vorarlberger Arbeiterkammer (AK) am Montag publik. AK-Präsident Hubert Hämmerle forderte daher eine Höchsttarif-Festlegung beim Daten-Roaming für SMS und Internet wie bei Handygesprächen aus dem Ausland.

Falsch gedacht

Eine 18-jährige Frau aus Hohenems surfte im Allgäu, in der Meinung sie sei mit ihrem Online-Anbieter ONE verbunden, im Internet und lud rund 900 MB Daten aus dem Netz. Laut AK empfing die Konsumentin kurzfristig das Netz von ONE, "wobei sich irgendwann der deutsche Betreiber Vodafone unbemerkt eingewählt haben muss", so die AK. Am darauf folgenden Tag sei der Zugang gesperrt worden. Zurück in Vorarlberg habe die 18-Jährige ihren Betreiber kontaktiert. ONE informierte sie, dass ein Betrag von rund 350 Euro Roaming-Gebühren angefallen sei. In Rechnung gestellt worden seien der Frau dann aber 11.200 Euro.

"Nachdem EU-weit für Handygespräche im Ausland eine Höchsttarifgrenze festgesetzt wurde, nutzen die Netzbetreiber das Daten-Roaming zu ihren Gunsten aus"

Der Vorarlberger AK-Präsident Hubert Hämmerle forderte angesichts dieses Falles eine Festlegung von Höchsttarif-Grenzen wie bei Handygesprächen. "Nachdem EU-weit für Handygespräche im Ausland eine Höchsttarifgrenze festgesetzt wurde, nutzen die Netzbetreiber das Daten-Roaming zu ihren Gunsten aus", beklagte Hämmerle. Die junge Vorarlbergerin sei weder beim Erstgespräch noch bei der Vertragsunterzeichnung über die genauen Kosten im Ausland und über die generelle Sperrung des Daten-Roamings aufgeklärt worden, so Hämmerle.

"Eine gewisse Mündigkeit"

ONE dementierte in einer Stellungnahme am Montag, dass Kunden nicht über höhere Tarife im Ausland aufgeklärt würden. Beim Kauf eines Pakets, wie er von der 18-Jährigen getätigt wurde, würden die Kunden über Mail und Website, sowie via beiliegendem Infoflyer über Nutzung im Ausland und Grenzgebiet informiert und vor höheren Kosten gewarnt. "Eine gewisse Mündigkeit der Nutzer und dass sie die zur Verfügung gestellten Informationen auch lesen, müssen wir voraussetzen", so eine Unternehmenssprecherin.

Sperre

Die Nutzerin habe sich während der Verwendung des Angebots "definitiv und wissentlich" im Ausland aufgehalten, zudem sei es eindeutig erkennbar, wenn sich die SIM-Karte in ein ausländisches Netz einwähle. ONE habe den Zugang "ganz prozesskonform" nach einer Meldung des Roamingpartners wegen laufender hoher Gebühren von 375 Euro gesperrt. Dass zunächst ein niedrigerer Betrag an Roaming-Gebühren genannt wurde, liege daran, dass ONE vom Ausmaß der Nutzung erst später erfahren habe.

Abzocke

Man habe der Vorarlbergerin bereits ein erstes Abschlagsangebot gemacht, bevor die AK-Beschwerde eintraf, hieß es. Man habe die Kundin mehrfach aktiv angerufen, um ihr den Vorschlag zu unterbreiten, die Rechnungssumme auf 7.300 Euro zu reduzieren mit der Möglichkeit, diese in Raten zu bezahlen. Laut AK kann die 18-Jährige ohne festes Einkommen die Raten jedoch nicht aufbringen. Die AK erhob Gebühreneinspruch und bezeichnete das Vorgehen weiter als "ruinöse Abzocke".(APA)

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